db-Titelbilder 1890, 1908, 1968

Herzlichen Glückwunsch!

Nun ist es also soweit: 2016 feiern wir 150 Jahre deutsche bauzeitung! Am 15. Dezember 1866 von den Architekten Wilhelm Böckmann (1832-1902), Anton Hubert Göbbels (1835-74) und Karl Emil Otto Fritsch (1838-1915) in Berlin gegründet, erschien die erste Ausgabe einige Wochen später, am 5. Januar 1867, damals noch unter dem Namen »Wochenblatt«; in bescheidener Ausstattung, ohne Bilder – respektive Zeichnungen und gerade einmal acht Seiten umfassend. Bereits Ende des Jahres erfolgte die Ankündigung der Umbenennung, Anfang Januar 1868 firmierte die Zeitung als Deutsche Bauzeitung und im Laufe des Jahres begann man mit einigen, wenngleich immer noch recht wenigen Zeichnungen, die relative Bleiwüste aufzulockern.
~Ulrike Kunkel
Rufen wir uns das Umfeld des Gründungsjahrs kurz in Erinnerung, so wird recht anschaulich, auf welchen Zeitraum der enormen Veränderungen wir seither zurückblicken und welch außerordentliches Ereignis es ist, wenn wir dieses Jahr das 150-jährige Jubiläum begehen können. Ende 1866 hatte Preußen gegen Österreich Krieg geführt, um seine Vormachtstellung im Deutschen Bund auszubauen, das Deutsche Reich war noch nicht gegründet; Künstler wie Edouard Manet und Paul Cézanne schufen einige ihrer Hauptwerke und in der Architektur befanden wir uns am Übergang vom romantischen zum strengen Historismus. In dieser Zeit gab Hubert Göbbels den Anstoß zur Gründung einer vom Preußischen Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten unabhängigen Zeitschrift, herausgegeben von Mitgliedern des Architekten-Vereins zu Berlin. Mit Karl Fritsch, Schwiegersohn Theodor Fontanes, gehörte einer der Mitherausgeber des Standardwerks »Berlin und seine Bauten« zu den Gründern der deutschen bauzeitung und der Dritte im Bunde, Wilhelm Böckmann, führte zusammen mit Hermann Ende ein erfolgreiches Architekturbüro in Berlin. Einige ihrer Bauten sind erhalten und uns bis heute ein Begriff, darunter verschiedene im Berliner Zoologischen Garten (zwischen 1870 und 1884) sowie das Gebäude der Union-Bank (1874), an der Französischen Straße.
So also die Anfänge, der mit nur einer Unterbrechung – während des Zweiten Weltkriegs – bis heute erscheinenden Fachzeitschrift. Und so sehr sich einerseits natürlich die Zeiten, die Architektur, die Architekturbetrachtung und somit die behandelten Themen und ihre Aufbereitung über die Jahrzehnte radikal gewandelt und entwickelt haben, so lässt sich andererseits von den Anfängen der Zeitschrift bis heute durchaus ein Bogen spannen. Bereits die erste Ausgabe behandelte ein breites Themenspektrum. Auf dem Gebiet der Bautechnik wurde ausführlich und hinterfragend über »Versuche über die Druckfestigkeit von Mauerwerk« (angelegt als Serie) berichtet. Als Produktneuheit wurde mit einiger Skepsis das aus England kommende und in Deutschland bis dahin kaum verwendete »Kamptulicon« (Bodenbelag aus Kork und Kautschuk) vorgestellt: »Die Mängel wollen wir nicht unerwähnt lassen. Die aufschablonirten Muster werden bald abgetreten und müssen erneuert werden. (…) Zweitens verbreitet der vulkanisirte Gummi den bekannten penetranten Geruch (…).« Ergänzend zu Technik und Produkten gab es eine kleine Rubrik »Feuilleton«. Auch wurden herausragende Bauprojekte bereits damals ausführlich, manchmal vielleicht etwas zu ausufernd, begleitet; man nahm kein Blatt vor den Mund, äußerte Meinung und bezog Stellung. Beispielsweise wurde der Bau der Berliner Nationalgalerie von seinem Beginn 1867 bis zur Fertigstellung 1876 dokumentiert. In der Ausgabe vom 6. Mai 1876 kritisierte man, dass der maßgebliche Ausgangspunkt für den Entwurf nicht das Raumprogramm, sondern die Entscheidung, die Form eines korinthischen Tempels nachzubilden, war. Diese »Verleugnung eines Grundprinzips« habe sich beim Bespielen nun als »besonders verhängnisvoll erwiesen«.
Stellung zu beziehen und zu inspirieren, das Architekturgeschehen kritisch zu begleiten, neue Techniken und Entwicklungen zu hinterfragen und Themen zu setzen, das zeichnet die db heute mehr denn je aus. 2010 entstand z. B. unser Heft »Retrospektiv«, mit dem wir gewissermaßen einen Tabubruch begangen haben und uns als erste Fachzeitschrift ernsthaft mit dem von Wissenschaft und Fachpresse weitgehend ignorierten Phänomen des neuen Traditionalismus in der Architektur auseinandergesetzt haben. 2009 haben wir das Thema »Suffizienz«, bezogen auf das Bauen, erstmals ins Heft genommen. Mittlerweile sind daraus eine Artikelserie, drei Heftschwerpunkte und eine Kongress-Reihe entstanden, mit der wir die »Suffizienz in der Baukultur« voranbringen wollen.
Und was erwartet Sie im Jubiläumsjahr 2016? In unserer 150-Jahre-Kolumne werden wir ab der kommenden Ausgabe Fundstücke, Kuriositäten, Bemerkenswertes und Beziehungsreiches aus 150 Jahren deutsche bauzeitung aufgreifen und für Sie aufbereiten. Im Zusammenhang mit unserer Rubrik »In die Jahre gekommen« werden wir Projekte, die zu ihrer Bauzeit bereits veröffentlicht worden sind, neu betrachten und uns auf die damaligen Artikel beziehen. Und in der Jubiläumsausgabe db 10/2016 wird natürlich der bisher zurückgelegte Weg ausführlich gewürdigt und die Entwicklung der db und der Architekturkritik im Wandel der Zeit betrachtet. Weitere (Überraschungs-)Aktionen halten wir ebenfalls bereit, folgen Sie einfach unserem Signet »150 Jahre Standpunkte in der Architektur«, es führt Sie zu den entsprechenden Hinweisen. Schauen Sie auch immer mal auf der Internetseite www.db-bauzeitung.de und bei Facebook vorbei oder besuchen Sie uns Mitte Februar auf der bautec in Berlin.
Die db-Redaktion dankt für Ihr Vertrauen und freut sich auf ein ereignisreiches Jubiläumsjahr mit Lesern, Kunden, Partnern, Freunden und Kollegen!