Foto: Zooey Braun, Stuttgart
Innovation Center

… Potsdam

~Falk Jaeger
Kreativität, Flexibilität, Transparenz und Innovation, das sind Schlagworte, die heute moderne Arbeitswelten von morgen formen – sagen die Architekten. Wie so etwas ihrer Meinung nach aussehen soll, ist beim Innovation Center 2.0 des Softwarekonzerns SAP am Standort Potsdam zu besichtigen, weit draußen im Grünen. Dort steht – neben einem Bestandsbau, dessen Innenraumgestaltung vom selben Büro übernommen wurde – eine Art Glasregal, das besonders durch seine diagonalen Stützen ins Auge fällt.
Die Architekten haben um eine Treppenhalle und einen Betonkern U-förmig vier Geschossebenen arrangiert. Der Luftraum verbindet alle Ebenen miteinander. Treppenläufe enden in Galerien mit Kommunikations- und Aufenthaltszonen, von denen wiederum Blickbeziehungen zu allen Arbeitsbereichen bestehen. Allseits gläserne Fassaden, umlaufende Balkone und eine Dachterrasse sowie ein Tiefhof mit Sitztreppe gestalten das Haus offen und verbinden die Arbeit mit dem Naturerlebnis.
Die Flächen sind durch transparente Wände in Zonen gegliedert. Nur sporadisch wird Sichtschutz angeboten. Ob am Schreibtisch, in gläsernen Telefonzellen, in Workshop-Räumen oder offenen Sitzgruppen, ob in die Polster der V-Stützen gelümmelt, am Cafétisch oder auf der Terrasse, der Arbeit wird in allen denkbaren und wünschenswerten Positionen nachgegangen.
Die wenigen Wände und die Schränke sind als White Boards beschichtet, aber auch in Schienen laufende Trennwände, die sich zur Erzeugung gewünschter räumlicher Situationen vielfach hin- und herschieben lassen, sind beschreibbar (wovon ausgiebig Gebrauch gemacht wird). Sichtbeton in guter Qualität, hie und da schöne Seekiefer-Holzoberflächen, Teppichböden wo nötig sowie Pflanzen schmeicheln dem Auge. Durch ausreichend schalldämpfende Oberflächen liegen auch die akustischen Verhältnisse im angenehmen Bereich.
Der Besucher gewinnt angesichts der ungezwungenen Atmosphäre durchaus den Eindruck, dass das Haus mit seiner architektonischen und arbeitsorganisatorischen Konzeption dem Anspruch, Arbeitswelt von morgen zu sein, gerecht wird. Dass die smarten Videokonferenzräume und Thinktanks aus der Zeit gefallene Namen wie »Marmorpalast« und »Sanssouci« tragen müssen, ist wohl dem SAP-Chef und Potsdam-Rekonstruktionsaktivisten Hasso Plattner geschuldet.
Standort: Konrad Zuse Ring 8, 14469 PotsdamArchitekten: SCOPE Architekten, StuttgartBauzeit: Dezember 2014 bis Mai 2016