Punkthäuser

Neu in Bremen

~Robert Uhde
Deutschland baut zu wenige Wohnungen. Und v. a. die falschen. Dass es auch anders geht, lässt sich in Bremen besichtigen, wo 2013 die hiesige Wohnungsbaugesellschaft GEWOBA das Büro LIN mit der Planung und Entwicklung eines seriellen Gebäudetyps zur Nachverdichtung von Wohnsiedlungen der Nachkriegsmoderne beauftragte. Mit dem »Bremer Punkt« schlugen die Architekten einen kompakten viergeschossigen Kubus mit einer Grundfläche von 14 x 14 m in modularer Holz-Fertigbauweise vor, der sich auf der Baustelle in kurzer Zeit montieren lässt. Die einzelnen Bauten integrieren je nach Bedarf zwischen vier und elf Ein- bis Sechszimmerwohnungen mit Wohnflächen von 30 bis 138 m², insgesamt sind dabei 22 verschiedene Wohnungstypen vorgesehen. Die durchweg barrierefreien Einheiten bieten Raum für vielfältige Wohnformen – vom Single-Haushalt bis hin zum Mehrgenerationenwohnen. Komplettiert wird das Konzept durch eine hochwertig gedämmte Gebäudehülle, die nahezu Passivhausstandard entspricht sowie durch die Integration einer Photovoltaikanlage und einer Luft-Wasser-Wärmepumpe. Insgesamt wird Energiestandard KfW 55 erreicht.
Im Quartier Neustadt wurden jetzt die ersten drei Prototypen des Bremer Punkts fertiggestellt, einer davon in der August-Hinrichs-Straße. Der vorwiegend für Bewohner aus dem Quartier vorgesehene Bau nutzt eine Nische inmitten mehrerer viergeschossiger Zeilenbauten und erhält so den offenen, von Grünflächen geprägten Charakter der Siedlung. Auf vier Ebenen stehen acht Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen zwischen 44 und 58 m² für Singles und kleine Haushalte zur Verfügung. Das Erschließungselement aus Stahlbetonkern mit Treppenhaus, Aufzug und offenem Laubengang dient als Begegnungsort und als Schnittstelle zwischen Innen und Außen. Für ausreichend Tageslicht sorgen große quadratische Holzfenster und Loggien, die in ihrer unregelmäßigen Anordnung eine willkommene Abwechslung zur Bestandsarchitektur schaffen.
Im Zusammenspiel der unterschiedlichen Bausteine bieten die Architekten nicht nur eine intelligente Lösung zur Schaffung von dringend benötigtem kostengünstigen Wohnraum, sondern es gelingt auch eine behutsame Aufwertung der vorhandenen Nachkriegsmoderne unter Berücksichtigung der vorhandenen städtebaulichen Qualitäten.
Momentan sind vier weitere Bremer Punkte in unterschiedlichen Stadtteilen in Planung. Und weitere Punkte sollen folgen. Gut so.
Standort: August-Hinrichs-Straße, 28201 BremenArchitekten: LIN Architekten Urbanisten, Berlin, mit Kahrs Architekten, Bremen, und Leo Schwering, IserlohnFertigstellung: November 2016 (erste beiden Prototypen)