Startseite » Diskurs »

Design in Industriegemäuern

Berlin: Ein Design-Outlet im Kraftwerk Rummelsburg
Design in Industriegemäuern

Diplomarbeit von Sven Fischer im WS 2004/05 an der Universität Stuttgart, Fakultät Architektur und Stadt- planung, Betreuung: Prof. Peter Cheret.

Das ehemalige Kraftwerk Rummelsburg liegt im Südosten von Berlin. Das Grundstück grenzt im Westen direkt an die Spree, im Osten schließt das zu Karlshorst gehörende Prinzenviertel an, im Süden Oberschöneweide und im Norden die Rummelsburger-Bucht. Das Kraftwerk wurde 1906/07 im Zuge der Elektrifizierung von Berlin errichtet und bis 1929 immer wieder erweitert – zuletzt nach Plänen von Hans-Heinrich Müller (1925 – 29). 1966 wurde es stillgelegt, 2001 das Kesselhaus zum Teil abgebrochen. Das Werkstattgebäude und die Südfassade des Kesselhauses (von H.-H. Müller) sowie die Maschinenhalle und das Schalt-/Betriebsgebäude blieben erhalten.
Thema Die Aufgabe der Diplomarbeit bestand darin, dem unter Denkmalschutz stehenden Kraftwerk eine neue Nutzung zuzuweisen. Dabei sollte sich der Umbau nicht nur stadt- und denkmalgerecht, sondern auch möglichst kostengünstig realisieren lassen. Außerdem erhofft sich der Bezirk, dass von dem Projekt eine Art Initialzündung ausgeht. Nach der Bestandsanalyse stand fest, dass nur durch eine kommerzielle Nutzung alle Anforderungen erfüllt werden könnten. Außerdem sollte keine Konkurrenzsituation mit den umliegenden Stadtbezirken entstehen und der Eingriff in die bestehenden Gebäude so minimal wie möglich gehalten werden, um den ursprünglichen Charakter des Kraftwerks zu bewahren.
Konzeptidee Die Wahl fiel auf ein Outlet für Designermöbel: Ein Outlet zieht Menschen aus einem großen Umkreis an, die Beschränkung auf den Verkauf sehr hochwertiger Produkte wertet das Gebiet insgesamt auf. Die architektonische Konzeption folgt der Vorgabe, in die bestehende Substanz so wenig wie möglich einzugreifen. So entstand ein schlichter Zweckbau, der sich an den Außengrenzen des abgebrochenen Kesselhauses orientiert.
Entwurf Der Neubau gliedert sich in drei Teile. Er schließt direkt an das Werkstattgebäude von H.-H. Müller an und hält Abstand zur Maschinenhalle. Im Norden befindet sich die Anlieferung sowie die Ein- und Ausfahrt zu vier vollautomatischen Parkregalen. Sie werden auf beiden Seiten von zwei automatisierten Hochregallagersystemen gefasst. Park- und Hochregal bilden zusammen den mittleren Teil des Neubaus. Die Fassade des Hochregals ist vollflächig verglast, dadurch werden die Hochregale zu großen Schaufenstern, in denen die Möbel ausgestellt und betrachtet werden können. Ein zweispänniger Verwaltungsbau schließt sich an.
Logistik Die ehemalige Maschinenhalle dient als Möbelausstellung, wobei die Möbel erst auf Anfrage in die Halle gebracht werden. Daher besteht die Möglichkeit, die Flächen auch für andere Veranstaltungen, wie zum Beispiel Ausstellungen oder Konzerte, zu nutzen. Die Möbel werden im ehemaligen Schalt- und Betriebsgebäude, das nun eine Café-Lounge aufnimmt, interaktiv aus einem Katalog bestellt. Während die Möbel dann aus dem Hochregallager vollautomatisch in die Ausstellungshalle gebracht und zur Besichtigung bereitgestellt werden, kann in der Lounge entspannt gewartet werden. Neben der Präsentation von etablierten Möbelherstellern stehen im alten Kraftwerk Arbeitsplätze und Werkstätten für junge Designer sowie ein eigener Shop zur Verfügung. S. F.
Aktuelles Heft
Anzeige
Anzeige
Anzeige
MeistgelesenNeueste Artikel
Dachterrassen – Gefälle und Entwässerung
1, 2 oder 3?
Anzeige
/* ]]> */