Vielfältiges Kontinuum

»Musée d’arts de Nantes« (F)

Stanton Williams restaurierten und erweiterten das »Musée d’arts de Nantes« mit größter Sorgfalt. Dabei gelang es ihnen, Freiflächen, Kunstwerke, Bestand und Neubauten zu einer Einheit zu verknüpfen, deren Reiz gerade in ihrer Vielfalt liegt. Für den Besucher entsteht so ein Zugewinn an Kunstgenuss, der weit über die reine Erweiterung der Ausstellungsflächen hinausgeht.

Architekten: Stanton Williams
Tragwerksplanung: RFR, ARTELIA, SEPIA

Kritik: Roland Pawlitschko
Fotos: Hufton+Crow, Stefano Graziani

Sieben Jahre nach Baubeginn öffnete das »Musée des Beaux-Arts« in Nantes im Jahr 1900 erstmals seine Pforten. Fast genauso lang dauerte die Restaurierung und Erweiterung des Museums, ehe es vor gut einem Jahr als »Musée d’arts de Nantes« wiedereröffnet wurde. Von außen hat sich das Palais im Beaux-Arts-Stil kaum verändert. Allein der kleine Ehrenhof zur Rue Georges Clemenceau zeigt sich sichtlich neu gestaltet: Statt der einzelnen Treppen, die einst zu den drei Eingängen führten – wie Landungsbrücken zu einem Schiff – laden nun breite Sitzstufen zum Verweilen ein. Hinzu kommen zwei Glaskuben, in denen sich ein Aufzug bzw. temporäre Kunstinstallationen befinden, sowie eine Freiraumgestaltung mit parkettartig verlegten Pflastersteinen, die die Straße in einen einladenden Vorplatz verwandeln. Angesichts der langen Bauarbeiten am Museum und der zugleich nahezu unveränderten Fassaden ist klar: Das Entrée stellt nur einen kleinen Teil der Umbaumaßnahmen dar. Dass auch die Chapelle de l’Oratoire aus dem 17. Jahrhundert und ein schmaler Neubau an dieser Straße sowie ein weiteres neues Gebäude an der rückwärtigen Rue Gambetta ebenfalls Teil des Museums sind, offenbart sich dem Besucher erst nach und nach bei seinem Ausstellungsrundgang.

Durchgängig
Durchscheinend

Die Kuratorin Hélène Retailleau und unser Kritiker Roland Pawlitschko nutzten die Sitzstufen am Haupteingang während ihres ausführlichen Museumsrundgangs für eine kurze Verschnaufpause.

Roland Pawlitschko: s. db 7-8/2018, S. 88


Grundriss EG: Stanton Williams, London
Grundriss 1.OG: Stanton Williams, London
Grundriss 2.OG: Stanton Williams, London
Grundriss UG: Stanton Williams, London
Lageplan: Stanton Williams, London
Schnitt AA: Stanton Williams, London
Schnitt BB: Stanton Williams, London

Standort: 10, rue Georges-Clemenceau, F-44000 Nantes
Bauherr: Ville de Nantes und Nantes Métropole
Architekten: Stanton Williams, London
Tragwerksplanung und Gebäudehülle: RFR, Paris; ARTELIA, Lyon;
SEPIA, Paris
Haustechnik- und Elektroplanung: Max Fordham, London;
GEFI Ingenieure, Nantes
Akustik und Lichtplanung: Max Fordham, London
Kostenplanung: ARTELIA, Lyon
Brandschutz und Barrierefreiheit: Casso & Associés, Paris
Leitsystem und Grafik: Cartlidge Levene, London
Nutzfläche Bestand: 13 000 m²
Nutzfläche Erweiterung: 4 000 m²
Gesamtbaukosten: 48,8 Mio. Euro (steuerfrei)
Bauzeit: 2014 bis 2017

  • Beteiligte Firmen:

Generalunternehmer: Bouygues Bâtiment Grand Ouest, Nantes,
www.bouygues-batiment-grand-ouest.fr
Verglasungen: Guardian UltraClear, Auburn Hills, www.guardianglass.com
Aufzüge: thyssenkrupp, Neuhausen a. d. F., www.thyssenkrupp-elevator.com
Deckenspots Ausstellungsräume: Regent, Basel, www.regent.ch
Leuchtmittel oberhalb der Lichtdecken: Thorn Lighting, Spennymmoor,
www.thornlighting.com
Lichtdecken: Newmat, Haubourdin, https://newmatworld.com


Stanton Williams

Alan Stanton

Studium an der AA in London und der UCLA. Bis 1977 Mitarbeit am Centre Pompidou mit Renzo Piano und Richard Rogers. Anschließend Lehrtätigkeit an der AA und eigenes Büro, seit 1985 mit Paul Williams. Lehrtätigkeit, Mitglied in Gestaltungsbeiräten.

Paul Williams

Studium »Museum and Gallery Design« mit einem Forschungsstipendium in Yale (USA). Seit 1980 eigenes Büro für Museumsgestaltung in London, seit 1985 gemeinsames Büro mit Alan Stanton. Lehrtätigkeit, Mitglied mehrerer Gestaltungsbeiräte.

Gavin Henderson

Architekturstudium in Cambridge (GB) und Harvard (USA). Seit 1994 Mitarbeit bei Stanton Williams. Lehrtätigkeit, Mitglied mehrerer Gestaltungsbeiräte.

Patrick Richard

Architekturstudium an der EPF Lausanne. Mitarbeit u. a. bei Zaha Hadid und eigene Projekte in Frankreich. Seit 1995 Mitarbeit bei Stanton Williams.