Licht, Luft und Holz

Bergkapelle bei Kendlbruck

Diese Bergkapelle im Salzburger Lungau ist ein Statement – für konstruktive Klarheit, für die Ausdrucksmöglichkeiten eines archaisch anmutenden Raums und für den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Zugleich macht der Strickbau das Material Holz auf eine Weise spürbar, die unwillkürlich zum Nachdenken über das menschliche Sein in der Natur anregt.

Architekt: Hannes Sampl

Kritik: Roland Pawlitschko
Fotos: Albrecht Immanuel Schnabel

Allein der Weg zu dieser Bergkapelle ist schon ein Ereignis. Von Ramingstein bis dorthin sind es Luftlinie zwar nur 4 km, allerdings liegen zwischen den beiden Punkten 900 Höhenmeter, die sich nur in einer zwei bis drei Stunden langen Wanderung oder im Auto auf einer serpentinenreichen, 14 km langen Forststraße zurücklegen lassen – vorausgesetzt man verfügt über den Schlüssel für die Schranke im Tal.

Der Forstweg führt zu einem 200 ha großen Waldgrundstück, das Johann Müllners Familie seit vielen Generationen bewirtschaftet. Die Familie lebt seit jeher im Tal, hat aber vor 150 Jahren in 1 850 m Höhe ein Steinhaus errichtet, das seitdem als Alm dient. Der Standort von Haus und daneben in Holz gebauter Scheune direkt unterhalb eines Bergrückens ist klug gewählt, sind die Gebäude in einer kleinen, von Felsen flankierten Senke doch vor heftigen Winden und winterlichen Schneestürmen geschützt, während sich zugleich der Blick auf ein atemberaubendes Alpenpanorama eröffnet. Nutznießer dieses Ausblicks sind vereinzelte Wanderer und Tourenskigeher sowie allsommerlich die in den Wiesen rund um die Häuser grasenden Jungkühe eines benachbarten Bauern. Seit Mai letzten Jahres steht etwas oberhalb dieses Ensembles eine stets offene Bergkapelle, deren Bauherr Johann Müllner ist.

Diese Kapelle hat keinen Namen. Und sie ist, obwohl gesegnet, kein konsekrierter Gottesdienstraum im kirchlichen Sinn. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass sie keine spirituelle oder architektonische Bedeutung als Sakralraum hätte. Dass das Gegenteil der Fall ist, hat mit ihrer Geschichte zu tun, und mit den Menschen, die sie geformt haben.

Nutzung lokaler Ressourcen
Gleiche Holzbalken für Boden, Wand und Dach
Genaue Ausrichtung nach Osten
Spiritualität und Geborgenheit
Lageplan: Hannes Sampl, Salzburg
Grundriss EG: Hannes Sampl, Salzburg
Längsschnitt: Hannes Sampl, Salzburg

Querschnitt: Hannes Sampl, Salzburg
Die miteinander verkämmten Balkenenden (Isometrie, o. M.)
Zeichnung: Hannes Sampl

  • Standort: Mitterberg 53, A-5591 Mitterberg

Bauherr: Johann Müllner, Ramingstein
Architekt: Hannes Sampl, Salzburg
Nutzfläche: 15 m²
Baukosten: keine Angabe möglich (Selbstbauweise mit lokalen Materialien)
Bauzeit: Oktober 2016 bis Mai 2017


Unser Kritiker Roland Pawlitschko räumte gerne einen Platz in seinem Terminkalender frei, um sich am äußersten Rand des Salzburger Lands einer Erfahrung des Elementaren hinzugeben. In der Sonne blinzeln der Autor, umgeben von Bauherr Johann Müllner (links) und Architekt Hannes Sampl (rechts).

Roland Pawlitschko

Hannes Sampl

1999-2004 Studium Innenraumgestaltung und Möbelbau an der HTL Hallstatt, 2005-11 Architekturstudium an der FH Kärnten. 2011-17 Mitarbeit bei LP architektur, Altenmarkt bei Salzburg. 2013-15 Postgraduate-Studium »überholz« an der Kunstuniversität Linz. Aufenthalte in Italien, Südafrika und den USA. Seit 2018 eigenes Büro in Salzburg. www.hannessampl.com/