Einfamilienhaus in Hürth

Wandelbar erweitert

Kleine Einfamilienhäuser der 50er Jahre sind zur großen Bauaufgabe geworden, denn die neuen Besitzer haben andere Bedürfnisse als ihre Vorgänger. Wie sich winzige Grundrisse zukunftsfähig umgestalten lassen, zeigt ein Umbau in der Nähe von Köln.

Die Doppelhaushälfte in Hürth unterscheidet sich nicht von Millionen anderer dieser Art: eine schmale Parzelle, klitzekleiner Vorgarten, Haus, dahinter etwas privates Grün. Der typische Raumspargrundriss der Entstehungszeit genügt heutigen Anforderungen nicht mehr.

So ging es auch den Bauherren mit ihrem Haus am Ende einer Anwohnerstraße. Der ursprüngliche Holzbau aus den 50er Jahren, ein ganz einfaches Behelfsheim mit gerade mal 40 m² Wohnfläche, war bereits in den 80ern um ein massives Gebäude erweitert worden. Und 2014 folgte ein nächster großer Schritt: Im Garten entstand ein eingeschossiger Anbau für Küche und Esszimmer. Der darunter liegende Keller – dort arbeitet der Hausherr als Musiker in seinem Tonstudio – erhielt durch eine Abgrabung Tageslicht. Doch inzwischen ist die Familie weiter gewachsen, Kinder sind dazugekommen und auch die Bauherrin ist freiberuflich zu Hause tätig. So wurde in einem zweiten Schritt nun das bestehende Massivhaus aufgestockt. Das Ganze war eine konstruktive Herausforderung: Im EG war immer noch das kleine Holzbehelfsheim aus den 50ern integriert und nicht dafür gemacht, große Zusatzlasten abzutragen.

Zuerst ließen rethmeierschlaich architekten das Massivhaus bis zur Oberkante der Decke über dem EG abbrechen, um dann zwei neue Geschosse aufzusetzen, zur Straßen- und Giebelseite in massiver Bauweise mit Wärmedämmung und Ziegelvorsatzschale, zum Garten hin dann in einer leichteren Mischbauweise aus Holz und Stahl. Die Stahlträger und -stützen leiten die Kräfte aus dem im DG eingebauten Windbock nach unten ab. Das DG wird von den großen Gauben zum Garten und zur Straße dominiert, die einen Blick ins Grüne oder über die Dächer der Nachbarn erlauben und mit ihren nahezu bodentiefen Fenstern viel Licht in die Räume lassen. Dort haben nun das elterliche Schlafzimmer und ein Bad Platz gefunden. Dunkle, großformatige Fliesen am Boden und die Beplankung der Wände mit Sperrholztafeln aus Seekiefer prägen das Erscheinungsbild.

Das OG dient der Bauherrin als Bereich für ihre vielfältigen beruflichen Tätigkeiten. Dort sind die wenigen Wände – wie im DG beplankt mit Seekieferplatten – leicht demontierbar eingebaut, um dem Wunsch nach weitgehend unkomplizierten Änderungsmöglichkeiten der Grundrisse Rechnung zu tragen. So geht auch der Bodenbelag aus glänzend geschliffenem Estrich fugenfrei unter den Wänden durch, die mintgrüne Stahlkonstruktion bleibt sichtbar.

Die Veränderungen im EG fallen am geringsten aus. Hier haben zurzeit die Kinder ihr Refugium gefunden. Ein Türdurchbruch verbindet die nebeneinander liegenden Zimmer. Die Fenster wurden bis auf eine niedrige Schwelle von etwa 30 cm nach unten gezogen. Der durchlaufende Bodenbelag verbindet alle Räume zu einer Einheit.

Der Umbau zeigt, dass sich vorhandene Bausubstanz auch dann weiterverwenden lässt, wenn sich die Anforderungen fundamental wandeln. Die Nutzungserweiterung vom reinen Wohnhaus zum Ort für Leben und Arbeiten belebt nicht zuletzt auch das Quartier. ~Petra Ralle

 

Weitere Umbauten von Einfamilienhäusern finden Sie in der nächsten gedruckten Ausgabe der db-Metamorphose, die am 5. März erscheint – mit dem Titelthema »Sanierungsfall Einfamilienhaus«.