Haus Luginsland im Kloster Lorch

Häkeln mit Hild und K

Vergangenen Freitag hat die baden-württembergische Gartenschau im Remstal eröffnet. Als Partizipationsprojekt haben Hild und K ein Fachwerkhaus in Guerilla-Häkel-Manier verhüllt: Für die Dauer der Schau verschwindet es hinter 114 km Nylonschnur.

Die Remstal Gartenschau  ist bundesweit die erste, die gleichzeitig in 16 Städten und Gemeinden stattfindet. Jórunn Ragnarsdóttir, Partnerin im Büro Lederer Ragnarsdottir Oei, hat dafür das Projekt »16 Stationen« kuratiert. 16 Planer entwarfen Follies, die sich über das Tal verteilen. Hild und K Architekten haben in Lorch ein Partizipationsprojekt der besonderen Art umgesetzt. 53 Frauen, ein Mann und ein Junge aus Stadt und Umgebung verarbeiteten, angeleitet und unterstützt von Dionys Ottl und seinem Team, rund 114 Kilometer Nylonschnur in liebevoller Handarbeit zu individuellen Werkstücken. Zusammengesetzt verhüllen sie als textile Intervention für die Dauer der Gartenschau das sogenannte »Luginsland«.

Das historische Gebäude an der südlichen Ringmauer des Klosters Lorch diente in früheren Zeiten vermutlich der Überwachung der unterhalb gelegenen Fernhandelsstraße. 164 Tage lang wird das Fachwerkhäuschen der direkten Sichtbarkeit entzogen. Gerade dadurch gewinnt es paradoxerweise für eine gewisse Zeit an Wahrnehmbarkeit, statt wie bisher selbstverständlich vorhanden und daher quasi unsichtbar zu sein.

Für den textilen Überwurf in seiner filigranen Textur haben sich Hild und K von der benachbarten Klosterkirche inspirieren lassen. Die individuelle Gestaltung der Einzelelemente, jeweils in Form einer bestimmten Ausfachung des historischen »Luginsland«, oblag den jeweiligen Handarbeiterinnen. In einer gemeinsamen Aktion wurden die Stücke zusammengeführt und am 30. April an den endgültigen Standort verbracht.

Der ehrenamtliche Einsatz verband die unterschiedlichsten Personen und Gruppen der ganzen Stadt und benachbarter Gemeinden. Großmütter und Enkelkinder, Haus- und Geschäftsfrauen, Nachbarinnen aus der Evangelischen Heimstiftung Kloster Lorch und Mitglieder des Vereins türkischer Arbeitnehmer häkelten und strickten, bis die Fingerspitzen wund waren.

Nun präsentiert die Stadt Lorch ein Stück Architektur, das die vermeintlichen Grenzen zwischen dem Offensichtlichem und dem Unsichtbaren außer Kraft setzt. Dahinter steht ein bürgerschaftliches Engagement, dem es in den letzten Monaten ebenfalls gelungen ist, manch persönliche und soziale Grenze zu überschreiten.

 


In Sichtweite des Häkelhauses stehen übrigens mehrere Schulbauten von Günter Behnisch:

Sporthalle Schäfersfeld

Progymnasium

 

 

 

 

 


Weitere Projekte von Hild und K Architekten:

Wohn-, Büro- und Geschäftshaus in München

Bikini-Haus in Berlin

Abgeordnetenhaus in München