solarCity Linz-Pichling

Nachhaltige Stadtentwicklung. Von Martin Treberspurg. 216 Seiten mit 250 farbigen Abbildungen. Deutsch/Englisch. Gebunden, 44,95 Euro. Springer Verlag, Wien, 2008

~Christoph Gunßer

Die Stadt Linz versucht seit den neunziger Jahren, ihren Ruf als reiner Industriestandort abzustreifen. Kulturelle Großprojekte, aber auch zukunftsweisender Wohnungsbau sollen Image und Lebensqualität verbessern – ein notwendiger Schritt, denn die Zersiedelung des Umlandes hatte die Einwohnerzahl zu- letzt weit unter die einstigen 200 000 sinken lassen.
Nun ist die gut tausend geförderte Wohnungen und einige Infrastruktur umfassende »Solarstadt« in den Donau-Auen endlich fertig, und die Bilanz fällt sehr zwiespältig aus.
Einer der letzten zusammenhängenden Grünräume der Stadt wurde symbolträchtig bebaut (der Stadtplan erinnert an frühere Idealstädte), was den Freizeitwert für die Neubürger gewiss erhöht und eine rein aufs stadtnahe Landleben zielende Marketingstrategie für die Siedlung mit sich brachte. Den erneuten Flächenverschleiß anstelle einer Nachverdichtung kann das umgehängte Öko-Mäntelchen denn auch nur teilweise kompensieren. Immerhin ließen sich die beteiligten Wohnungsbaugesellschaften auf verschärfte Energiestandards ein, Solarkollektoren zieren die meis- ten Dächer, doch ohne Saisonspeicher ist der Deckungsgrad hier in der Flussaue nicht spektakulär. Das geplante Biomasse-Kraftwerk vor Ort wurde zugunsten von Fernwärme aufgegeben. Einige Häuser der mit EU-Geldern geförderten Planung probieren haustechnische Neuerungen, z. B. die Urinseparation.
Architektonisch sind die meisten Wohnriegel eher mittelmäßig gestaltet, abgesehen von den schicken Beiträgen der Stars, allen voran Richard Rogers‘ gläserne Reihenhausschlange und Norman Fosters drei Flugdach-Zeilen. Das modulare Zentrum von Auer+Weber, Schulriegel und Solarkindergarten, machen viel her, wirken für die kleine Siedlung aber überzogen. Die vorliegende offizielle Publika- tion, von einigen, fast ausnahmslos am Projekt beteiligten Autoren erfasst, feiert das Projekt als Meilenstein. Nur vereinzelt wird auf die Problematik der isolierten Satellitenplanung hingewiesen, die vielen Planern längst nicht mehr zeitgemäß erscheint.