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Schwimmbäder

200 Jahre Architekturgeschichte des öffentlichen Bades. Von Matthias Oloew. 392 S., 22 farb. und 234 s/w-Abb., Hardcover, 79 Euro, Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2019

~Simone Hübener

Öffentliche Bäder haben sich in Deutschland in den letzten fast 200 Jahren von einer reinen Dusch- und Bademöglichkeit oftmals in wahre Erholungstempel verwandelt. Oder sie dienen der sportlichen Betätigung, woraus sich wiederum deutlich andere Anforderungen ergeben. Parallel dazu erfolgten zudem gravierende politische und gesellschaftliche Veränderungen. Alle Aspekte beeinflussten unübersehbar auch die Architektur der Bäder der öffentlichen Hand. Matthias Oloew hat sich für seine Dissertation, die er mit diesem Buch veröffentlicht, fundiert mit Fragen zur Geschichte des Schwimmbads von 1830 bis in die Gegenwart auseinandergesetzt und für die Antworten beispielsweise in Handbüchern, Ausstellungskatalogen und v.a. in zahlreichen Archiven von Ämtern und Nachlässen von Architekten recherchiert. Entstanden ist ein fast 400 Seiten umfassendes Werk. Die inhaltlich reich gefüllten Texte sind i. d. R. leicht verständlich geschrieben und rücken das uns allen wohlbekannte Schwimmbad in ein gesellschaftspolitisches und architekturgeschichtliches Licht.

Das Buch besteht aus drei Hauptkapiteln, die sich an einschneidenden politischen Veränderungen dieser Periode orientieren: Kaiserreich, Weimarer Republik und die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Fokus liegt auf der letzten. Das schlichte, zweispaltige Layout korrespondiert mit der Aufgabe, eine wissenschaftliche Arbeit zu präsentieren; ebenso wie die in S/W gehaltenen Pläne und Bilder, die im richtigen Maß das Geschriebene illustrieren. Die 22 farbigen Bilder in der Mitte des Buchs vermitteln sehr gut die ganz unterschiedlichen Atmosphären, die man in den verschiedenen Schwimmbädern vorfindet. Kurz, aber fein ist das an den Beginn der Arbeit gestellte Glossar, das wenige, relevante Fachbegriffe erläutert. Dessen Lektüre ist sehr zu empfehlen, denn sie erleichtert die Vertiefung ins Thema. Immer weiterlesen und mehr erfahren über diese in unserem Alltag sehr präsenten und gleichzeitig speziellen Bauten möchte man dank Oloews Texten allemal.