Paul Böhm. Bauten und Projekte

Von Wolfgang Pehnt, 144 S., 190 Abb., gebunden, deutsch/englisch, 69 Euro, Edition Axel Menges, Stuttgart/London, 2017

~Oliver G. Hamm

Keine andere Architektendynastie wird so stark mit dem Sakralbau assoziiert wie die Böhms. Auch Paul Böhm, vorerst jüngster Architektenspross der Kölner Baumeisterfamilie, der mit 57 Jahren eine erste Werkübersicht vorlegt, hat bereits zwei bedeutende Sakralbauten im Portfolio, die sein Architektenprofil ganz wesentlich prägen: die katholische Pfarrkirche Sankt Theodor mit Gemeindehaus in Köln-Vingst (2002) und die 2006 entworfene Zentralmoschee der DITIB in Köln-Ehrenfeld, die noch immer der Vollendung harrt.
Die Moschee, ein Multifunktionsgebäude mit einem aus Betonkalotten, Glas und Stahl zusammengesetzten kuppelartigen Baukörper (Gebetssaal) und einem L-förmigen zweiten Bautrakt, nimmt einen großen Teil des langen Einführungsessays von Wolfgang Pehnt ein. In »Reichtum und Strenge. Zur Architektur von Paul Böhm« beschäftigt sich der Architekturhistoriker zunächst aber mit dem Thema »Erbe« – im Allgemeinen und im konkreten Fall der Architektenfamilie Böhm. Denn Paul Böhms Werk ist gar nicht losgelöst von seinem familiären Umfeld zu beurteilen, insbesondere vom Werk seines Vaters Gottfried, aber auch von Arbeiten seines Großvaters Dominikus und – eher in der Abgrenzung – seiner älteren Brüder Stephan und Peter.
Pehnt vergleicht die Architektenfamilie mit ihrem »unausgesprochenen Repertoire von Formen« mit einer mittelalterlichen Bauhütte. Doch die jüngste Generation, also auch Paul Böhm, wandelt zunehmend auf einem eigenen Pfad, wie der große Projektteil des vorliegenden Buchs belegt: Er offenbart eine erstaunliche Vielfalt an Bauaufgaben und Entwurfsansätzen, vom Wohn- und Geschäftshaus in Köln-Kalk (1998) über das Arbeitsamt Trier (2002), ein Zweifamilienhaus in Köln-Braunsfeld (2006), das Kaufhaus Peek & Cloppenburg in Wuppertal (2008) und ein Seminargebäude der Universität Köln (2010) bis zu den jüngsten, noch nicht vollendeten Werken, wie der Freilichtarena der IGA Berlin 2017. Der Band dokumentiert auch die wichtigsten nicht verwirklichten Projekte Paul Böhms, etwa die Ummantelung des Fernmeldeturms in Köln und die Generaldirektion der Deutschen Post AG in Bonn. Ein gelungenes Werk!