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Geht doch!

Ein Buch über bezahlbares Wohnen. Von Hannah Wehrle, Jonas Wehrle, Klaus Wehrle. 260 S., zahlreiche Grundrisse und Abb., Hardcover, 49 Euro, RegioWerk, Gutach i. Br. 2020

Klaus Wehrle, Architekt aus Gutach bei Freiburg und seit gut 25 Jahren engagiert für und mit Baugemeinschaften, berichtete bei Fachkonferenzen immer wieder so praxisnah von seinen Erfahrungen, dass er eines Tages aufgefordert wurde, diese einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Genau das tut dieses Buch, das der Architekt gemeinsam mit seinen Kindern Hannah und Jonas, ebenfalls Architekten, und der Grafikerin Ann-Kristin Maier entwickelt hat. Es wendet sich in erster Linie an Architekten, doch auch Bauherren erfahren detailliert, warum der Neubau-m²-Preis bei dieser Art des Bauens selbst in Boomstädten bei ca. 4 000 Euro liegen kann. Und das, so Wehrle, ist auch gesellschaftlich wichtig, denn immer teureres Wohnen birgt großen sozialen Sprengstoff.

Den Beweis treten sieben Projekte an, Neubauten und Sanierungen, reine Wohnprojekte ebenso wie gemischt genutzte Objekte, zumeist aus den letzten fünf Jahren. Jedes wird mit einer Projektbeschreibung, Fotos, Grundrissen und der Kostenfeststellung auf 16 Seiten präsentiert – je vier ausklappbare Bögen, die durch korallfarbene Deckblätter deutlich voneinander getrennt sind. Das ist die Kür. Der »Schwarzbrot«-Teil des Buchs ist erkennbar an abwechselnd schwarzen und weißen Passagen. Wobei die schwarzen mit sieben klugen Interviews mit Forschern und Praktikern, Finanzexperten und Kommunalpolitikern sogar richtig Spaß machen. Sie drehen sich u. a. darum, weshalb wir uns als Gesellschaft Einfamilienhäuser nicht mehr leisten können; wo die Stellschrauben für bezahlbares Wohnen liegen; warum Eigentum glücklich macht und warum eine Zusammenarbeit von Planern und Handwerkern auf Augenhöhe zu günstigeren Preisen bei höherer Qualität führt. Sehr gut lesbar, schon allein durch die luftige Gestaltung und angenehme Schrifttype. Die weißen Kapitel geben ihrerseits transparent und detailliert Einblick, in welchen Etappen ein Baugruppenprojekt ablaufen kann, wie die Kosten schon in einem frühen Stadium fixiert werden können usw. Zentraler Akteur: der Architekt, die Architektin, die zu Gestalter und Manager in Personalunion werden – die klassische Architektenrolle in zukunftsträchtiger Interpretation. ~dr