Denkmalpflege der Moderne

Konzepte für ein junges Architekturerbe. Wüstenrot Stiftung (Hrsg.). 304 Seiten mit zahlr. Abb., Hardcover, 28 Euro. Karl Krämer Verlag, Stuttgart/Zürich 2011

~Simone Hübener

Bei den Bauten der Moderne ist sich die Fachwelt häufig uneins darüber, welche Spuren einer oft langen Geschichte erhalten werden sollen. Ist es das Original oder sind es die Schichten, die sich im Laufe vieler Jahre darübergelegt haben? Mit dieser Frage befasst sich dieses Buch, das anhand von acht Beiträgen und 18 Beispielen exemplarisch unterschiedliche Herangehensweisen aufzeigt. Die einleitenden Texte sind in vier Aufsätze zu den Besonderheiten der Bauten der Moderne mit Themen wie »Konstruktion und Materialität« und »Raum und Form« sowie vier weitere unterteilt, die sich mit den Veränderungsprozessen und deren baulichen Folgen befassen. Es geht darin u. a. um »Normen und Standards« und »Altersspuren und Zeitschichten«. Daran schließt sich der Projektteil an, in dem Bauten der 20er und 30er Jahre überwiegen. Das gesamte Spektrum reicht jedoch vom Fagus-Werk in Alfeld (1912) bis zum Kanzlerbungalow in Bonn und dem Staatsratsgebäude in Berlin (beide 1964). Die Wahl begründen die Autoren damit, dass diese Gebäude auf Basis umfassender Gutachten und Recherchen saniert worden sind. Sie eignen sich somit hervorragend, um zu zeigen, dass jedes Denkmal einer individuellen Pflege bedarf.
Im Projektteil sind jedem Bau zwölf Seiten gewidmet, einzige Ausnahme bildet die Siedlung Schillerpark in Berlin mit zehn Seiten. Nach einer kurzen Einführung folgt eine Übersicht mit den wichtigsten Baudaten, wie Auftraggeber, Architekt und einer kurzen Chronologie. Die daran anschließenden, sachlich fundierten Texte vertiefen die Geschichte, die Sanierung und eines der Themen der einleitenden Beiträge. Alte und neue Fotografien, Baustellenbilder, Detailaufnahmen, Pläne und Handskizzen runden die Objektvorstellungen ab. Ergänzend haben sich die Autoren die Mühe gemacht, im Anhang zu jedem der 18 Bauten weitere Literatur aufzulisten. So erfüllt auch dieses Buch die hohen Erwartungen, die immer dann aufkommen, wenn man ein Buch der Wüstenrot Stiftung vor sich liegen hat.