Architekten des Klassizismus und Historismus

Bauen in Basel 1780-1880. Von Rose Marie Schulz-Rehberg, 240 S., geb., 130 Abb. und Grundrisse, 38 Euro, Christoph Merian Verlag, Basel 2015

~Karl J. Habermann

Mit diesem Buch hat die Autorin Rose Marie Schulz-Rehberg aus Basel einen Architekturführer der besonderen Art vorgelegt. Nicht Stadtviertel, Straßenläufe oder Stilmerkmale prägen den Aufbau, sondern die porträtierten Baumeister und Architekten mit ihren individuellen Biografien bilden die Basis für eine sehr schlüssige Buchstruktur. Bemerkenswert ist dabei, dass die Vita der Autorin viele Parallelen zu den im Buch behandelten Personen aufweist. Nach einer Ausbildung zur Gemälde-Restauratorin, dem Studium der Kunst und Baugeschichte, der Promotion und zahlreichen Reisen etablierte sie sich als Stadtführerin in Basel. Mit all diesen Eindrücken widmete sie sich schließlich dem Schreiben. Im einleitenden Kapitel gelingt es ihr auf wenigen Seiten das »Baugeschehen in Basel zwischen Klassizismus und Antiklassik« in allen Schattierungen anzusprechen. Das Berufsbild der Architekten war geprägt durch ihre handwerklichen Wurzeln, ausgedehnte Bildungsreisen, Ausbildungsjahre im Ausland und deren Einbindung in solvente Bürgerschaft und Politik als Vorraussetzung für gute Aufträge. Anhand der sorgfältig bebilderten Darstellung von Leben und Werk von 13 wichtigen Architekten, darunter Amadeus Merian und Christoph Riggenbach, gelingt es, sowohl dem Fachmann als auch dem interessierten Laien die Augen für diese wichtige Phase der Stadtentwicklung zu öffnen. In einer Zeit des Umbruchs kam es zu neuen öffentlichen Bauaufgaben. Industrielle, Kaufleute und Bankiers sorgten für opulente Aufträge. Mit der Eisenbahn erhält die Stadt völlig neue Knotenpunkte und Verkehrswege. Die Namen der Architekten waren im Gegensatz zu heute über Basel hinaus kaum bekannt. Hier erfährt man, wie sie sich nach ihrer Ausbildung im elterlichen Betrieb zum Kupferstecher, Steinmetz oder Zimmerer auf den Weg machten, um auf Reisen in Karlsruhe, Hamburg und Berlin den Werken von Gärtner, Schinkel und anderen namhaften Architekten jener Epoche nachzuspüren. Die Autorin informiert bei ihrer chronologisch angelegten Werkschau der einzelnen Protagonisten über Beziehungen untereinander sowie ihre politischen Aktivitäten. Bei den peniblen Beschreibungen der wichtigsten Bauten gelingt es ihr immer wieder Querbezüge herzustellen. Die dabei erzielte Detailtiefe ist erstaunlich. Das Buch beinhaltet zudem diverse Landkarten und Verzeichnisse, sodass man sich selbst auf Forschungsreise begeben kann, um einige der vorgestellten Gebäude vor Ort zu erleben.