Souto de Moura 1980-2015 (Neuss)

~Ulf Meyer

Portugal – mit seinen lediglich 10 Mio. Einwohnern – hat innerhalb von 19 Jahren zwei Pritzker-Preisträger hervorgebracht: Alvaro Siza bekam den berühmten Architektur-Preis 1992 für sein Lebenswerk und im Jahr 2011 wurde die Anerkennung an Sizas ehemaligen Mitarbeiter Eduardo Souto de Moura verliehen. Dass nun das Werk von Souto de Moura in einem Gebäude, das sein ehemaliger Meister und Chef gebaut hat, gezeigt wird, ist eine gelungene, doppelte Ehrung. Die Idee dazu entstand im Kreis nordrhein-westfälischer Architekten auf einer Reise nach Porto.
Kuratiert von seinem Mitarbeiter Nuno Graca Moura, zeigt die zusammen mit dem BDA organisierte Schau mit herrlichen Modellen, Plänen und Fotos die ungebrochene gestalterische Kraft der Escola do Porto. Die Ausstellungsbedingungen der Stiftung Insel Hombroich erweisen sich hier als ideal. Die stille, schöne und erdige Architektur des Gebäudes auf der ehemaligen NATO-Raketenstation bei Neuss ist der geeignete Ausstellungsrahmen für Souto de Mouras Architektur. Die Hombroicher Werk-Schau heißt »Entstehungsprozesse und Realisierungen« und macht anhand von Skizzen und Modellen die Entwurfsarbeit der Schule von Porto erlebbar. Bekannte Werke aus Porto wie der Umbau des Franziskanerklosters Santa Maria do Bouro in Amares von 1997 oder das spektakulär in einen steinernen Berghang gebaute Stadion in Braga, das zur Fußball-EM 2004 gebaut wurde, sind in der Ausstellung versammelt. Beim Umbau des Klosters zu einer Pousada, einem historischen Hotel, ist spürbar, wie Souto de Moura seine Scheu, massive Wände zu perforieren, erstmals ablegt. Auch die Casa das Histórias (2007) und der monumentale Burgo Tower in Porto sind in feinen Modellen und Zeichnungen zu erleben. Ebenso wie Souto de Moura auf der Modernisierung und Fortführung lokaler Bautraditionen und ihrer Verbindung mit der zurückgenommenen Architektur der Moderne in der Tradition von Ludwig Mies van der Rohe besteht, hatte Siza 2008 sein Hombroicher Haus ganz im Kontext der umgebenden Bauten von Erwin Heerich entworfen. Inhalt und Rahmen der Ausstellung ergänzen sich hier also prächtig. Auf 14 vom Architekten selbst entworfenen Stahltischen stehen und liegen die Modelle aus Karton oder Holz neben Skizzenmappen, in denen Besucher sogar blättern dürfen. Die warmen Holzfußböden und braunen Klinkerwände von Sizas Ausstellungshaus geben der Schau einen wohnlichen Rahmen. Knapp ein Viertel des Œuvres von Souto de Moura wurde ausgewählt. Ein aktuelles Video-Interview ist im Seminarraum zu sehen. Abgerundet wird der Genuss durch einen substantiellen und ansprechend gestalteten Katalog.
Bis 23. August. Souto de Moura 1980-2015, Siza-Bau, Raketenstation Hombroich bei Neuss. Mi-So 12-18 Uhr. Katalog: Stiftung Insel Hombroich (Hrsg.) »Eduardo Souto de Moura« deutsch/englisch, 35 Euro, www.inselhombroich.de