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Stadthaus in Linz (A) von mia2

Stadthaus in Linz (A)
Lebenswerte Räume

Die Architekten von mia2 haben es geschafft, ein Gebäude aus dem 16. Jahrhundert auf fast die doppelte Höhe aufzustocken, sodass es sich trotzdem harmonisch in seinen Straßenzug einfügt. Und der Aushub des abgesenkten EG-Bodens dient als Wand im DG.

Es gehört schon viel Mut dazu, als junges Architekturbüro in der Linzer Innenstadt ein Haus mit 14 Wohnungen zu kaufen, das seinen Ursprung im 16. Jahrhundert hat. Außer seinem hohen Alter verfügte das schon mehrfach überformte Gebäude mit der schmucklosen, verputzten Lochfassade allerdings über keine bauhistorischen Qualitäten, die sich von Seiten der Behörden als schützenswert erwiesen. Im Verkaufspreis waren daher die Abrisskosten schon inkludiert.

Der allzu leichtfertige Umgang mit historischer Bausubstanz aber widerstrebt Sandra Gnigler und Gunnar Wilhelm, Inhaber des Büros mia2. Sie stehen auf dem Standpunkt, dass mit viel Einfallsreichtum und technischer Innovation jedes Gebäude noch eine neue Funktion übernehmen kann. Das Architektenpaar hat sich mit dieser alten Immobilie ein Stück Stadt erobert, in dem sie wohnen und arbeiten und ihr unmittelbares Umfeld daran teilhaben lassen. Fast zehn Jahre hat dieser Umwandlungsprozess gedauert. Der Respekt vor der mehrere Jahrhunderte alten Bausubstanz und die soliden Materialien waren bestimmend für die Sanierung. Zunächst wurde das EG zu ihrem eigenen Architekturbüro umgebaut. Erst in den beiden letzten Jahren erfolgte dann die zur Straße sichtbare Veränderung in Form einer 2,5-geschossigen Aufstockung in Holzbauweise. In der Zeit dazwischen wurde viel experimentiert, an Sonderlösungen gearbeitet und nach neuen Wegen für die zu geringen Geschosshöhen gesucht. Für das EG bot sich an, den Boden abzusenken. Aus dem lehmhaltigen Aushub generierten die Planer Stampflehmwände, die jetzt Teile des Firstes tragen. Dank Holz-Beton-Verbundtechnik konnten die historischen Holzdecken erhalten werden. Da sich die Raumhöhen in den oberen Geschossen nicht so leicht wie im EG anpassen ließen, entschied man sich für eine Nutzungsverschiebung: Statt auf Dauer werden die Wohnungen auf Zeit vermietet an Geschäftsleute, Besucher der Stadt oder auch an Studenten.

Spannung entsteht für die Architekten in der Verknüpfung von gegebenen Strukturen mit eigenen Entwürfen, wie beispielsweise die fünfgeschossige Spindeltreppe. Sie wurde an der Rückseite des Gebäudes aus selbstentwickelten Betonfertigteilen errichtet und korrespondiert mit dem runden Treppenturm eines benachbarten Altbaus. Das Geländer der Balkone stammt aus einem Abrisshaus. Jetzt kann es in einer neuen Umgebung seine Funktion weiterhin erfüllen. Mit großem Engagement verfolgt das Architektenduo sein Ziel, mit klaren und einfachen Konstruktionen Räume zu schaffen, die über Funktionalität und Ökologie hinaus ein harmonisches Ganzes abbilden.

~Cornelia Krause

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