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Gaslight Building in London (GB) von bureau de change

Gaslight Building in London (GB)
Aufzugfahren im Bronzeschacht

Im Stadtteil Fitzrovia ist ein Bürogebäude um 75 % gewachsen. Der Innenausbau, geplant von bureau de change, schreibt die Art-déco-Formen des Bestands mit modernen Mitteln fort, einer Mischung aus Handwerklichkeit und industrieller Präzision.

Ein paar Schritte westlich vom British Museum liegt die Rathbone Street, eine ruhige Seitengasse, in die sich kaum ein Tourist verirrt. 1928 hatte die Gas Light & Coke Company hier einen Verwaltungssitz errichten lassen – in einer Architektursprache am Übergang vom Historismus zum Art déco. Nachdem lange das British Film Institute in den Räumen residiert hatte, sind sie nun grundlegend saniert und beträchtlich erweitert worden: Ein Annex auf der Hofseite vergrößert die vermietbare Fläche um 75 % und lässt lichtdurchflutete, von Künstlerateliers inspirierte Büroetagen entstehen, die unter dem Namen »Gaslight Building« vermarktet werden. Während das Büro de Metz Forbes Knight für den An- und Umbau zuständig war, verantwortet das bureau de change die Innenarchitektur.

Der Eigentümer ISA Holdings wollte keine Allerweltsbüroflächen auf den Immobilienmarkt bringen, sondern etwas möglichst Unverwechselbares. Das hat er bekommen. Es fängt schon an der Eingangstür an, deren Griffstangen aus Holz das Planungsteam von Hand drechseln ließ, sodass sie mit ihren eingefrästen Ringen eine besondere taktile Qualität bieten. Im neu geschaffenen Treppenhaus geht es weiter mit einem Formenvokabular, das an die Art-déco-Elemente des Bestands anknüpft. Ein auffälliger Aufzugsschacht begrüßt die Besucher. Die Architekten erwogen zunächst ihn mit Bronze zu bekleiden, einem in den 20er Jahren häufig verwendeten Material. Und er sollte ein wenig an historische Aufzüge erinnern, die meist als halboffene, transparente Gitterkonstruktionen ausgeführt waren. Weil sich Bronze aber nicht so falten und biegen lässt, wie es den Planern vorschwebte, setzten sie auf Edelstahl, der wie patinierte Bronze schimmert. In zwei gelochten Lagen übereinandergeschichtet, die einen Moiré-Effekt erzeugen, umhüllt er den Schacht, wobei die ausgefrästen Ornamente sich typischer Formen aus der Entstehungszeit des Bauwerks bedienen. Dass der Schacht keineswegs transparent ist, sondern aus Beton besteht, fällt nicht weiter auf, da er mit einem schwarzen Anstrich hinter den reflektierenden, halbdurchlässigen Schichten optisch verschwindet. Im EG ist die Treppenuntersicht in gleicher Weise bedeckt und erweckt die Illusion, dass die Stufen aus dem filigranen Metall geformt seien. Das Ganze wirkt ungemein handwerklich und wertig, obwohl es natürlich maschinell hergestellt wurde, allerdings als Unikat.

Die eigentlichen Büroflächen des »Gaslight Building« präsentieren sich dann doch etwas neutraler, weil sie sich für unterschiedliche Mieter eignen sollen. Bei den Toiletten blitzt der Gestaltungswille von Bauherr und Architekten wieder auf: Die Wände tragen eine halbhohe, maßgefertigte Terrazzo-Bekleidung, die mit einer Kassettierung auf die früher üblichen Holzvertäfelungen anspielt, mit ihrem groben Steinmuster aber klarmacht, dass sie aus einer anderen Zeit stammt. Auch die kassettierten Toilettentüren folgen diesem Ansatz, den Katerina Dionysopoulou, Mitgründerin von bureau de change, folgendermaßen auf den Punkt bringt: »Wir arbeiten gerne mit bestehenden Gebäuden, indem wir sie für einen neuen Zweck umgestalten, dabei aber eine Art Nostalgie in die Entwürfe einfließen lassen.« ~cs


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