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Filmmuseum

Amsterdam
Filmmuseum

~Werner Jacob

Kriegsverschonte, historische Innenstädte sind in jeglicher Hinsicht dicht. Außer kleineren Interventionen und Bauen im Bestand ist nichts mehr möglich, so auch in Amsterdam. Die 8 700 m² brutto des »Eye Film Instituut Nederland« waren da nur im Außenbereich zu platzieren, auf Gewerbeland im Entwicklungsgebiet »Noord«, das zwischenzeitlich in jungfräulichen Zustand zurückversetzt worden war. Neben einem prominenten Point de vue, dem »Shell-Turm« (Arthur Staal, 1970), am Ufer des IJ-Nordseekanals direkt gegenüber dem Hauptbahnhof liegt jetzt die vielfach so apostrophierte »Auster«. Im selbstragenden Stahlfachwerkskelett auf Betonsockel lagert die gestrandete Molluske in polymorph kristallinem Gehäuse. Gekleidet in weiße, schuppenförmige Aluminium-Paneele, weckt sie amphibische Assoziationen im maritimen Umfeld – lokale Merkmale und Farben, die im diffus aquatischen Licht wie über den Wassern schwebend erscheinen.
Mit der Fähre vom Bahnhof her erreichen Besucher über eine sanft ansteigende Rampe das Entree für die vier Kinosäle mit zusammen 642 Plätzen, ebenso eine Ausstellungshalle von 1 200 m² (die größte Amsterdams), das Archiv mit über 40 000 Filmen, einen »Workshop« und individuelle Schau-Boxen – alles um eine amphitheatrische »Arena« mit Gastronomie herum arrangiert. Diese ist räumliche und inhaltliche Schnittstelle; nach hier und von hier führen alle Wege zu den und aus den Veranstaltungsorten in diesem Kinoparadies neuer Art: Roman Delugan wollte »Kinobesucher nicht als Konsumenten«, sondern als aktive Zuschauer, die sich vor und nach dem Filmbesuch im Forum begegnen und austauschen können. Wo durch die raumhohe Glasfassade das Schauspiel der Stadtbühne Amsterdam, das Wasser und die nachts erleuchtete Stadt-Silhouette zu Mitspielern werden in dieser panoptischen Illusionsmaschine neuen Typs, die keine Fata Morgana ist, sondern vielmehr eine architektonisch wie funktional gelungene Neuinterpretation eines bis dato scheinbar ausgereizten Sujets.
Standort: IJpromenade 1, NL-1031 KT Amsterdam Architekten: Roman Delugan, Delugan Meissl Associated Architects, Wien Eröffnung: April 2012
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