stuttgart soll schöner werden

Ja, das soll es! Schon seit Jahrzehnten muss sich der Einheimische von Besuchern und neu Zugezogenen immer wieder anhören, wie hässlich Stuttgart sei. Und dennoch liegt die baden-württembergische Landeshauptstadt bei Umfragen zur Lebensqualität immer vorn. Der Einheimische nickt zufrieden, weiß er doch um die Vorzüge der Stadt »zwischen Wald und Reben« (Werbeslogan der siebziger Jahre). Und guckt gar nicht mehr richtig hin. Deshalb kommt das Buch »Stuttgart soll schöner werden«, entstanden aus einem Wettbewerb der Stiftung Architekturforum Baden-Württemberg, gerade recht, um auch und gerade dem Einheimischen die Fauxpas der letzten Jahre vor Augen zu führen. Gezeigt werden 350 Beispiele, eingereicht und kommentiert zumeist von Nicht-Architekten, die in knappen Worten die Schwächen auf den Punkt bringen: Die Glashaube der Königsbau-Passagen (Bild oben) »beherrscht das Stadtbild« und »degradiert … wichtigere Gebäude« wie das Neue Schloss und den Königsbau selbst. Der neue Stadtteil hinter dem Hauptbahnhof besteht gegenwärtig nur aus Bank- und Verwaltungsgebäuden (Mitte), »die auch woanders stehen könnten. Der Außenraum: Immobilienabfall … ohne Leben«. Und das Hospitalviertel (unten), früher die »Reiche Vorstadt«, ist vor lauter Langeweile kaum ohne Lähmungserscheinungen des Gehirns zu durchqueren.

Ein solches Buch wäre allen Städten zu wünschen. Zu sehr überlassen die Bewohner Entscheidungsprozesse über die Stadtentwicklung Investoren, fachfremden und unbelehrbaren Politikern und desinteressierten, zahnlosen Baubehörden. Kein Wunder also, wenn die Städte wieder zusehends unwirtlicher werden. ~dr
Roland Ostertag: Stuttgart soll schöner werden, Peter-Grohmann-Verlag, 116 Seiten, 350 farbige Abbildungen, 14,90 Euro plus Versand.