Polemisieren im Kreditforum

~Luise Bohley

Zum zweiten Mal fand in Berlin die Podiumsdiskussion über Denkmale und Solarenergienutzung statt, die die erste Debatte vom September 2008 fortsetzte (s. db 11/2008, S. 6). Zur Eröffnung forderte Nikolaus Zieske, Mitglied im Denkmalbeirat Gießen, die Module der Sonnenkollektoren den Denkmalen anzupassen – und nicht umgekehrt. Erforderlich seien Sonderlösungen mit genauer Analyse und Planung. Als vorbildlich empfahl er eine Studie, die innovative Solarelemente vorstellt (Dagmar Everding: Solarer Städtebau, Stuttgart 2007). Zieskes Vortrag folgten fünfminütige Kurzstatements: Petra Kahlfeldt, Mitglied des Berliner Landesdenkmalrates, plädierte dafür, nicht das Denkmal zu verändern, sondern den Umgang mit dem Denkmal. Sie hofft auf vorbildliche gestalterische Lösungen für Solaranlagen in der Zukunft. Ruth Klawun vom Dezernat Praktische Denkmalpflege des Landes Brandenburg hinterfragte den Fokus der Veranstaltung auf denkmalgeschützte Gebäude als Standorte für Solarenergienutzung: Nur 3 % aller Bauten in Deutschland seien Denkmale, und durch den Neigungswinkel der Dachflächen eigne sich zudem nur ein geringer Teil davon für Solaranlagen. Die Kontra-Position vertrat Johann Gerdenitsch, Amtsleiter für Umweltplanung in Fürth. Er warb für die Solarenergienutzung von Denkmalen und erklärte stolz, Fürth stehe als »Solarstadt« auf Platz vier der »Solarbundesliga«. Fabio Longo, Vorstand des Vereins Eurosolar e.V., behauptete, die Forderung nach erneuerbaren Energien sei nicht privates, sondern öffentliches Interesse. Er glaubte, dieses werde dem Denkmalschutz zukünftig gleichwertig entgegenstehen. Die Podiumsdiskussion brachte Konflikte zwischen Denkmalpflegern, Architekten und Hauseigentümern zur Sprache. Im Fokus standen die Folgen einer intensiven Solarnutzung für Stadtbild und Dachlandschaften von Kommunen mit denkmalgeschützter Altbausubstanz. Die Diskussion spitzte sich bis zum haltlosen Vorwurf zu, die Denkmalpflege entscheide nach Geschmack. Weitere Diskussionspunkte waren die Bedeutung der Solarenergie für das Stadtmarketing, die gescheiterte Solarsatzung der Stadt Marburg und die Forderung nach flächendeckenden Katastern für potenzielle Solardächer. Während der abschließenden Fragerunde erklärte ein Bauingenieur, der Einsatz von Solaranlagen sei nicht in jedem Fall wirtschaftlich tragfähig und empfahl Denkmaleigentümern, vorher die Höhe des tatsächlichen Einsparungswertes einschätzen zu lassen. Das Publikum aus Denkmalschützern, Architekten, Bauherren und Bankangestellten – fand die Veranstaltung doch im Forum einer Bank statt – verfolgte einen scharfen, bisweilen polemischen Diskurs, der auch in Zukunft Diskussionsstoff bieten wird.