moschee- konflikte

~Anja Ziebarth

Fragen zur Religion erleben eine allgemeine Renaissance. Doch während in christlichen Bistümern eher die sinnfällige Umnutzung oder gar der Rückbau leer stehender Sakralbauten gefordert sind, werden gleichzeitig in Deutschland repräsentative Moscheen neu gebaut. Geschieht dies bei kleineren Gebetshäusern oft unbemerkt, avanciert bei umfangreicheren Vorhaben die Höhe des Minaretts nicht selten zum Stellvertreterkonflikt. Dann sieht sich eine säkularisierte Gesellschaft zunehmend in ihrer christlichen Tradition bedroht, während auf der anderen Seite islamische Bauherren in ihrem religiösen Fundament verharren. Um Moscheekonflikte nicht zum Ausweis des Scheiterns multikultureller Gesellschaften zu machen, ist aus einem radikalen »Entweder/Oder« beider Konfliktparteien ein empathisches »Mehr oder weniger« zu verhandeln. Unter dem Primat der Architektur luden deshalb das Kulturwissenschaftliche Institut, Essen, und frei04-publizistik zu einer interdisziplinären Tagung zum Thema Sakralbauten und Moscheekonflikte nach Essen ein.
Mit den beiden Eröffnungsvorträgen des Verfassungsrichters Brun-Otto Bryde und des Soziologen Matthias Koenig legte die Tagung ein ambitioniertes theoretisches Konzept für die inhaltliche Auseinandersetzung vor. Das zunehmend enger gefasste Verständnis von Religionsfreiheit, das in Deutschland zu beobachten ist und die oft unterschätzte komplexe Verflechtung von Staat und Religion wurden als rechtlich-gesellschaftlicher Kontext der Tagung vorgestellt.
Weitaus pragmatischer stand am zweiten Tag das Problem der Gestaltung sakraler Bauten auf dem Programm. An den von ihren Architekten erläuterten Beispielen des Islamischen Zentrums Penzberg von Jasarevic, der Münchener Synagoge von Wandel Hoefer Lorch, der Kölner Moschee von Böhm, der Herz Jesu Kirche in München von Allmann Sattler Wappner und dem Moscheeprojekt in Algier von Engel/Zimmermann stellte sich die Frage nach Aufgabe und integrativer Leistungsfähigkeit innovativer Sakralarchitektur. Auf der Suche nach einem europäischen Moscheetypus vermag wohl nur eine symbiotische Architektur, die die Formensprache des Gastlandes mit den Traditionen der Ursprungsländer zu einen weiß, zugleich Identifikation und Öffnung zu vermitteln. Die Auseinandersetzung um die Gleichberechtigung von Mann und Frau in islamischen Gebetsräumen zeigte jedoch, dass drängende »politische« Fragen zu klären bleiben. Mit dem Leiter der Tagung, Claus Leggewie, ist zu hoffen, dass traditionelle Bilder überwunden werden, dass »alles was allzu fest ist, flüssig wird« und Architektur hierbei als gesellschaftlicher Impulsgeber und nicht nur als reaktive Disziplin auftritt.