Mehr Farbe!

Herbstlaub, das in einer breiten Farbpalette von leuchtend Gelb über Orange-Rot bis hin zu Braun in der Sonne flimmert; aufsteigende Nebelschwaden, wechselnde grau-blaue Lichtstimmungen am Morgen über dem See: Das oberbayerische Kloster Seeon war vom 17. bis zum 19. Oktober der perfekte Ort, um sich dem Thema Farbe in verschiedenen Vorträgen und Ausstellungen zu nähern. Schwerpunkt des diesjährigen, sechsten Symposiums Farbe.Design.Therapie war die therapeutische Wirkung von Licht und Farbe, und so ging es in den insgesamt zwölf ausführlichen und bei einer Redezeit von jeweils einer Stunde zum Teil etwas ausufernden Referaten unter anderem um die Zusammenhänge zwischen Farbe und ihre Einflüsse auf visuelle und haptische Wahrnehmung sowie die Möglichkeit einer modernen, nicht-invasiven Diagnostik auf der Basis von Licht und Farbe. Ernst Schrott, Leiter der Akademie der Deutschen Gesellschaft für Ayurveda, demonstrierte anhand eines Experiments – bei dem die Teilnehmer Veränderungen ihres Pulsschlags an verschiedenen, dicht nebeneinander liegenden Stellen am Handgelenk wahrnehmen konnten – Reaktionen des Körpers auf Farbe recht anschaulich. Wiwi Raupach, Heilpraktikerin mit den Schwerpunkten Chakradiagnostik und feinstoffliche Anatomie, zog mit ihrem Beitrag selbst größte Skeptiker der Thematik in ihren Bann und der Soziologieprofessor Hans Peter Thurn schilderte unter dem Titel »Sozialfarben«, dass die ursprüngliche Zuordnung bestimmter Farben zu sozialen Schichten mit der Zeit verschwunden sei, statt Farbautorität nun also Beliebigkeit herrsche. In den Abschlussvorträgen ging es schließlich dann doch noch um Farbe in der Architektur sowie um humanökologische Architekturbeleuchtung. Doch während die Ausführungen von Prof. Heinrich Kramer darüber, wie und warum Licht unser Lern- und Arbeitsverhalten beeinflusst, überaus gewinnbringend waren, enttäuschten die des Architekten und Künstlers Thomas Kesseler, kam er doch erst im letzten Drittel zu den lang ersehnten aktuellen Projektbeispielen. Schade auch, dass die einzelnen Beiträge lediglich aneinandergereiht wurden und die Gelegenheit zu einem Podiumsgespräch zwischen den Referenten und somit einem Vermischen der Disziplinen, Richtungen und Ansätze nicht genutzt wurde. Schließlich handelt es sich bei Farbe um ein wichtiges und spannendes Thema, über das ruhig diskutiert und gestritten werden sollte, denn ein individueller und verantwortungsbewusster Umgang mit Farbe ist noch längst nicht selbstverständlich. Mit der Ausgabe 1/09 widmet die db übrigens ein ganzes Heft dem Thema Farbe in der Architektur. ~uk