Grenzen überwinden

~Tilo Richter

Erstmals in der mehr als 100-jährigen Geschichte der Internationalen Bauausstellungen wird die Schau am Oberrhein, dem Berührungspunkt der Schweiz, Deutschlands und Frankreichs, trinational in Gang gesetzt.
Die Besonderheit des urbanen und landschaftlich reizvollen Großraums um Basel ist die vielfältige, v. a. kulturelle Vernetzung der drei Grenzregionen. Prägend ist zugleich aber auch eine heterogene Gesetzeslage und Behördenlandschaft in den drei Staaten. Tatsächlich wirkungsvolle und visionäre gemeinsame Projekte für das knapp 1 Mio. Menschen verbindende Dreiländereck sind heute daher eher Ausnahme als Regel.
Dem will die »Internationale Bauausstellung IBA 2020 Basel« entgegenwirken und hat 2011 dazu aufgerufen, Projektideen einzureichen, die Teil der Ausstellung werden sollen. »Au delà des frontières, ensemble – Gemeinsam über Grenzen wachsen« lautet ihr Leitmotiv. Das Hauptaugenmerk ist dabei auf die traditionsreiche Baukultur der Region gerichtet, den Rhein als Naturraum und Themen wie Mobilität, Bildung und Forschung. Im Ideenwettbewerb sollen die Bedürfnisse und Potenziale der Region ausgelotet und die Ideen und Kräfte gebündelt werden. Mehr als 100 Vorschläge sind eingegangen, 44 davon hat das wissenschaftliche IBA-Kuratorium zur Weiterbearbeitung empfohlen. Das siebenköpfige Gremium ist international besetzt und führt die Projekte in die Realisierungsphase. Im Idealfall wirkt die IBA als Katalysator, um hinlänglich bekannte Probleme des grenzübergreifenden Großraums koordiniert anzugehen.
Im Juni fand ein erstes öffentliches Hearing der Kandidaten statt, das etliche Interessenten anzog, vor allem Fachleute und Journalisten aus den drei Ländern. Im Ergebnis wurde das Kandidaten-Portfolio nochmals gestrafft und von den etwa 35 verbliebenen hat man zwei Projekte vornominiert. Bis zum Sommer 2013 soll die definitive Auswahl jener Vorhaben stehen, die das IBA-Label erhalten werden. Etliche Projekte haben schon jetzt ein hohes Niveau erreicht, die meisten werden ihren Fokus aber noch weiter schärfen, die trinationalen Aspekte verstärken und sich möglicherweise mit anderen zusammentun müssen, um ins IBA-Boot kommen zu können. Als Schlüssel dazu könnten sich Projektgruppen innerhalb der IBA erweisen, einige »Heiratskandidaten« sind schon auszumachen.