Gerhard Ullmann (1935-2012)

~Wilfried Dechau

Gerhard Ullmann, jahrzehntelang treuer db-Autor, ist am 17. Januar gestorben. Ullmann war Fotograf und Schreiber, Architekturfotograf und Architekturkritiker. Nicht von allem ein bisschen, nein, immer alles in einem und zwar mit geballter Kraft der Bilder und unübertroffener Dichte seiner Texte. Seine Haltung zur Fotografie hat er einmal sehr treffend so beschrieben: »Die Trennung von Wort und Bild erlaubt zwar verschiedene Darstellungsweisen und Zugänge, rückt aber auch Bildaussage und Textinterpretation auseinander. Das mag für den Layouter vorteilhaft sein, für den Leser wird es schwierig, die Einheit des Gebäudes zu erkennen.« (aus: Wilfried Dechau: architektur abbilden, S. 218). Für ihn wäre es undenkbar gewesen, das Haus x des Architekten y im Auftrag zu fotografieren und in der Redaktion kommentarlos lediglich die Bilder abzuliefern. Nein, die Genese aller db-Text-Bild-Geschichten aus seiner Feder/seiner Kamera war immer von anderem Kaliber. Er war regelmäßig in der db, um die Redaktion für Themen zu begeistern, die ihm gerade am Herzen lagen – das ging vom Märkischen Viertel in Berlin über den Karneval in Venedig und Bienefelds zauberhafte Backsteinhäuser bis hin zu den frühen Holzbauten von Baumschlager Eberle. Hatte dabei etwas die Zustimmung der Redaktion gefunden, lieferte er Texte und Bilder, die ein Redakteursherz höher schlagen ließen und den Grafiker bisweilen ins Schwitzen brachten. Die Texte konnte man direkt in den Satz geben, nach der Devise ganz oder gar nicht. Kürzen ging nicht, kein Jota durfte fehlen, keines war überflüssig. Und auch seine Bilder waren von vornherein so komponiert, dass sie keinen weiteren Beschnitt duldeten. Für den Grafiker war das – bei aller Begeisterung für die Fotos – immer wieder eine unglaubliche Herausforderung.
Gerhard Ullmann, 1935 in Teplitz geboren, hatte Malerei in Berlin-Weißensee und Architektur in Berlin-Charlottenburg studiert, war im Werkbund aktiv und suchte sich die Themen für seine Bücher und für Beiträge in Zeitschriften immer selbst. Immer wieder: Berlin, Venedig, Sanssouci, Industriebrachen.
Seine Fotografien bleiben bis auf Weiteres im Familienbesitz. 2013 wird mit einer Ausstellung in der Stuttgarter Architekturfotografie-Galerie f75 an ihn erinnert.