Exhibition "Frank O. Gehry since 1997" Vitra Design Museum Weil am Rhein 02.10.2010-13.03.2011. Model of Foundation Louis Vuitton. Photos Bettina Matthiessen

Frank O. Gehry seit 1997 (Weil am Rhein)

~Hubertus Adam

Mit dem 1997 eröffneten Guggenheim Museum in Bilbao avancierte Frank O. Gehry zum Superstar des Architekturbetriebs. Dass sich seine Formensprache seither mehr durch Repetition als durch Innovation auszeichne, ist ein Vorwurf, den die Ausstellung »Frank O. Gehry seit 1997« im Vitra Design Museum – dem Werk, das ihm 1989 zu internationaler Bekanntheit verhalf – nicht entkräften kann. Wehmütig mag man angesichts hypertropher Formenballungen an die unspektakuläre
Direktheit und den Bricolage-Charakter der frühen Werke in Kalifornien denken. Und doch: Der spielerische Umgang mit den Formen, der am Ende in baubare Architektur umgesetzt werden muss, fasziniert noch immer – ganz abgesehen davon, dass das Postulat permanenter Neuerfindung nicht frei von Dogmatik ist.
Die Schau, eigentlich von Germano Celent für die Triennale di Milano erarbeitet, dort zum Jahreswechsel 2009/2010 ausgestellt und in Weil am Rhein nun in reduzierter Form präsentiert, konzentriert sich auf zwölf realisierte oder in Planung befindliche, zum großen Teil öffentliche Projekte der letzten 13 Jahre, darunter die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles, die Museumserweiterung in Ontario oder der Jay Pritzker Pavilion in Chicago. Von den deutschen Projekten dieser Zeit sind die drei Türme des »Neuen Zollhofs« sowie die DZ Bank in Berlin vertreten; mit der Pariser Fondation Louis Vuitton und dem Guggenheim Museum Abu Dhabi wird ein Ausblick in die Zukunft gegeben.
Die vorgestellten Projekte sind durchaus von unterschiedlicher Qualität. Unter Verzicht auf Pläne und Fotos fokussiert Celent den Prozess der Formfindung – ob mit den Liniengespinsten der Federzeichnungen Gehrys, den verschiedenen Formstudien oder den Modellen der Ausführungsprojekte. Die auf Sockeln aus Wellpappe präsentierten Modelle – vom städtebaulichen Modell im Maßstab 1:500 bis hin zu Raumstudien im Maßstab 1:20 – sind zweifelsohne die eigentliche Attraktion der Ausstellung, selbst wenn die Frage, wie Gehry arbeitet, anhand anderer Projekte und früherer Ausstellungen eigentlich hinreichend geklärt ist. Weil die Leidenschaft des Entwerfers sich sinnlich vermittelt, schaut man indes selbst gern auf das 15 m² große Modell für das bizarre Ferienresort »Atlantis Sentosa« in Singapur, das aufgrund seiner Größe im VitraHaus zu sehen ist. Als Ergänzung vis-à-vis zeigt das Museum die umfangreiche Sammlung an Prototypen für Möbel aus Wellkarton und Holz, die Gehry seit 1972 entworfen hat.
Bis 13. März, Vitra Design Museum, Charles-Eames-Straße 1, 79576 Weil am Rhein, Mo-So 10-18 Uhr, Katalog, Englisch, 49,90 Euro, www.design-museum.com