Start-up-Campus »Station F« (Halle Freyssinet)

Neu in Paris (F)

~Claudia Fuchs

Von der Bibliothèque nationale nur durch einen Gleisstrang getrennt liegt eines der raren Umnutzungsprojekte des Stadtentwicklungsgebiets Paris-Rive Gauche: die zum Gründerzentrum »Station F« transformierte ehemalige Frachthalle des Gare d’Austerlitz. Eugène Freyssinet, der Pionier des Spannbetons, realisierte 1927-29 die 310 m lange, 72 m breite dreischiffige Halle in einer beeindruckend leichten und feingliedrigen Konstruktion mit nur 7 cm dicken Tonnengewölben. Nach jahrelangem Leerstand und den erfolgreichen Initiativen gegen den Abriss ist das Gebäude als Start-Up-Campus wieder voller Leben. Auf insgesamt 34 000 m² bietet die denkmalgeschützte Halle rund 1 000 Jung-Unternehmen ein breites Angebot an Räumen und Infrastruktur, darunter Vortragssaal, MakerSpace, Co-Working-Café und sogar einen Postschalter. In den Share, Chill und Create genannten Bereichen gibt es unzählige Möglichkeiten der Vernetzung von Start-Ups, Global-Playern und Investoren. Das repräsentative und kommunikative Herzstück ist dabei das Mittelschiff, die zentrale Erschließungsachse, die als großzügige Esplanade mit Stehtischen und Sofas zu informellen Gesprächen einlädt. Dank der durchlaufenden Oberlichtverglasung, die mehr als ein Drittel der Dachfläche einnimmt, ist die Halle selbst an bleigrauen Pariser Tagen die lichterfüllte Mitte, zu der sich die drei Ebenen mit insgesamt 3 000 Arbeitsplätzen öffnen; gegliedert werden die Großraumbüros durch Service-Cluster und containerartige Besprechungsboxen.

Mit zurückhaltender Formensprache und Farbgebung reagierten die Architekten auf den Bestand. Schwarze Stahl-Glas-Fassaden ersetzen die vormals großteils geschlossenen Wandflächen; der Büroflügel an der Nordseite wurde abgebrochen, hier befindet sich nun der Haupteingang. In ihrer dezenten Gestaltung betont die neue Gebäudehülle die Klarheit der Tragstruktur. Die neuen Plattformen sind als eigenständige Stahlkonstruktion in das nicht veränderte Hallentragwerk eingefügt. Zwar ist dadurch die ursprüngliche räumliche Weite der drei Schiffe nur noch partiell erlebbar, dennoch prägen die leichten Sichtbeton-Tonnengewölbe einen Großteil der offenen Innenräume und schaffen im Zusammenspiel mit den klar geschnittenen, in Weiß und Schwarz gehaltenen Einbauten ein elegantes Arbeitsumfeld. Inwieweit die Start-Up-Szene der Station F auch in das Quartier ausstrahlt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen – mit der fortgeführten Überbauung der Gleistrasse für das neue Viertel Tolbiac-Chevaleret und der Verbindung zu Nationalbibliothek und Seine.

Standort: 55 Boulevard Vincent Auriol, F-75013 Paris
Architekten:
Wilmotte & Associés Architectes, Paris
Eröffnung:
Juni 2017