Vakko Fashion Center / Power Media Center

Neu in Istanbul (TR)

~Gudrun Escher

Wofür so eine Investitionsruine auf den waldigen Höhen des asiatischen Bosporusufers nicht alles zu gebrauchen ist. Ohne das Betonskelett eines unvollendeten Hotelprojekts wäre ein Baustart für den neuen Hauptsitz von Vakko in Istanbul nur vier Tage (!) nach dem ersten Kontakt der Auftraggeber mit den Architekten undenkbar gewesen. Außerdem hatte REX Architecture ein fertiges Konzept für dieselben Etagenbemessungen in der Schublade, weil das Annenberg-Center in Pasadena gestoppt worden war. So reichten acht Wochen, um den Rest, sprich die Stahlkonstruktion der »Schaukästen«, Treppen und alles Übrige zu entwerfen, gleichzeitig mit der Bestellung von vielseitig verwendbaren Stahlteilen. Wo sie was tragen sollten, entschied sich erst später. Binnen Jahresfrist zog hier Vakko ein, das Unternehmen des heute 87-jährigen Patriarchen Vitali Hakko, das im anatolischen Merter mit von Künstlerhand entworfenen Kopftüchern begann und heute u. a. schwere osmanische Brokate vertreibt, hippe Mode für sie und ihn und teure Schokolade, begleitet von einem Fernseh- und fünf populären Radiosendern.
Die Struktur des Bauwerks besteht aus dem Ring der Etagen mit umlaufenden, lichtdurchfluteten Büros und in der Mitte den schräg gestellten Boxen für Produktpräsentationen und Besprechungsräume in versetzten Ebenen. In das Tiefgeschoss taucht der Vorführsaal mit absteigenden Sitzreihen ein, umringt vom mystisch dunklen Firmenmuseum und einer freundlich hellen, in der Türkei einzigartigen, öffentlichen Fachbibliothek für Design. Die Cafeteria wird gleichzeitig von den Medienleuten nebenan genutzt, deren Studios komplett unter dem Rasen verschwunden sind – rings um ein versenktes Atrium herum, aus dem der Sendemast aufragt.
Was zunächst verwirrend kryptisch wirkt, potenziert durch den üppigen Einsatz von – leider zerbrechlichem – Spiegelglas, ist, wenn ausreichend Fensterputzer zur Hand sind, tatsächlich nutzbar und lässt sich aufdröseln als eine Baustruktur, die sogar der Lage im Erdbebengebiet Rechnung trägt: Beton, Stahl, Glas, jedes Bauteil trägt sich selbst, so auch die raumfüllenden Außenverglasungen mit einer gegossenen, versteifenden Wellenstruktur in X-Form.
Standort: Gümüşyolu Cd. / Kuşbakışı Caddesi, 43, 34662 Istanbul Architekten: REX Architecture, New York (USA) Fertigstellung: April 2010