Künzelsau

Museum Würth 2 in Künzelsau

~Falk Jaeger

Als im hohenlohischen Künzelsau das von Chipperfield Architects für den Schraubenkönig Reinhold Würth entworfene Carmen Würth Forum eröffnet wurde (s. db 10/2017, S. 71), war die Erweiterung des Kongress- und Veranstaltungszentrums um einen Museumsbau schon geplant. Der Neubau bietet als 15. Museum der Sammlung Würth in neun europäischen Ländern Anlass, dem Forum nahe der Autobahn Nürnberg-Heilbronn auch außerhalb der Veranstaltungen einen Besuch abzustatten.

Die Konzeption des Gebäudes könnte einfacher und klarer nicht sein: Langgestreckter Kubus, Foyer mit räumlicher und funktionaler Verbindung zum Konferenzbereich, Kunstshop und Café mit Atrium im EG, großer, 5,5 m hoher Ausstellungssaal im OG, kleines, intimes Kabinett im UG.

Das Primat gehört eindeutig der Kunst. Schon im Vorfeld und auf der Agora (angesichts der klassischen Grundhaltung ist man geneigt, den Vorhof so zu nennen) wird der Besucher von prominenten Großplastiken empfangen und auf das Kunsterlebnis eingestimmt. Werke von Tony Cragg, Marc Quinn, Edoardo Chillida, Georg Baselitz u. a. bevölkern den Weg zum Eingang.

Der Saal lässt sich durch temporäre Wände der jeweiligen Ausstellung gemäß gliedern und wird durch Tageslicht mit geregelter Kunstlichtbeimischung mit optimaler Beleuchtung versorgt. Ansonsten sorgen Sichtbetonwände, ein schöner Terrazzo mit hohenlohischem Muschelkalk als Zuschlag und die in ruhige Quadrate gegliederte Glasdecke für ein dezentes Ambiente, in dem sich die Kunst bestens entwickeln kann. »Belvedere« nennen die Architekten einen voll verglasten, schmalen Umlauf an der Stirnseite, von dem aus nach der Hälfte des Rundgangs der Blick auf Großplastiken im Vorfeld und hinüber zu den Waldenburger Bergen schweifen kann.

Von hier aus führt auch eine schmale Treppe hinab ins »Kabinett«, das erst nach Abschluss der Planungen als Ausstellungsraum hinzukam und die Ausstellungsfläche auf insgesamt 1 137 m² aufstockte. Der Raum erfährt durch grau gestrichene Wände und dunkle Betonunterzüge seine ganz eigene Prägung. Bei gedämpftem Licht können empfindliche Arbeiten auf Papier gezeigt werden.

Chipperfields Architektur beeindruckt durch ihre bekannte Distinguiertheit hier besonders – zweifellos das angemessene Ambiente für die großartigen Kunstwerke allererster Provenienz aus einer Sammlung, mit der sich mühelos themenweise Korrespondenzen verschiedener Künstler illustrieren lassen, wo Joan Miró und Fernand Léger, Georg Baselitz und Pablo Picasso, Roy Lichtenstein und Max Beckmann, David Hockney und Johannes Itten miteinander ins Gespräch kommen.

Täglich geöffnet, freier Eintritt, der Abstecher lohnt allemal.

Standort: Am Forumsplatz 1, 74653 Künzelsau
Architekten:
David Chipperfield Architects, Berlin
Bauzeit:
März 2019 bis Juni 2020

Carmen Würth Forum in db:
https://www.db-bauzeitung.de/aktuell/neu-in/kuenzelsau

Carmen Würth Forum Website:
https://www.carmen-wuerth-forum.de