40 Jahre soziale Architektur aus Dublin

Pritzker Prize für Grafton Architects

Der erste Pritzker-Preis, der nach Irland geht, ist den Inhaberinnen des Dubliner Büros Grafton Architects gewidmet: Yvonne Farrell und Shelley McNamara. Im Jury-Statement heißt es, die Art ihrer Zusammenarbeit entspreche genau den Zielen des Preises: Architektur als Dienst an der Menschheit zu begreifen und diesen durch gebaute Werke sichtbar zu machen.

Seit der Gründung des Büros 1978 haben die Architektinnen rund 40 Projekte in aller Welt realisiert, die die Geschichte ebenso wie den städtischen Kontext respektieren und außerdem konstruktive Meisterschaft zeigen. Jeder ihrer »modernen und eindringlichen« Bauten – für Bildung, Gesellschaft, Kultur und Wohnen – zeige »Kraft und Zartheit/Filigranität« zugleich, durch intime Räume innerhalb hoher und großer Gebäude entstehe ein menschlicher Maßstab. Im gleichen Maß wie die architektonische Integrität hob die Jury den Umgang der Architektinnen mit ihren Mitarbeitern und Kollegen sowie ihre Tätigkeit als Professorinnen an Architekturhochschulen hervor.

Der Gestaltungsprozess von Farrell und McNamara nähre sich insbesondere, so die Jury, aus ihrer heimatlichen irischen Landschaft, die mit ihren Bergen und Klippen das Gespür für Geografie, wechselhaftes Klima und die Natur schärfe. Daraus entstünden Gebäude, die reich an Details, aber dennoch bescheiden seien. Beim University Campus der UTEC in Lima (Peru) etwa zeige sich das in einem steil aufragenden, abgetreppten Gebäude, das sowohl dem zerklüfteten Gelände als auch dem Klima Rechnung trage: Die Konstruktion kann von kühlenden Winden vom Pazifik durchlüftet werden, was die Notwendigkeit von Klimaanlagen reduziert.

Überlagerung, Mischung und Dialog sind stets präsente Themen in der Architektur von Grafton, so z. B. im Gebäude für die Wirtschaftswissenschaften an der Université Toulouse 1 Capitole von 2019, in der Università Luigi Bocconi in Mailand von 2008 und im 2009 errichteten Bürogebäude für das Finanzministerium in Dublin. Das bezieht sich nicht nur auf die räumliche Anordnung und die Gestaltung der Fassaden, sondern auch auf die soziale Ebene. Graftons Architektur, so Yvonne Farrell, berücksichtige die verschiedenen Dimensionen gesellschaftlicher Zugehörigkeit und verbinde die Nutzer. ~dr .

www.pritzkerprize.com