db0918Einstieg_David_Teniers_cmyk.jpg
Abb: David Teniers der Jüngere, 1653, »Erzherzog Leopold Wilhelm in seiner Galerie in Brüssel« (Ausschnitt), Öl auf Leinwand

KUNST UND ARCHITEKTUR

Räume für die Kunst sind so vielfältig wie die Kunst selbst: vom kreativen Chaos eines Künstlerateliers
bis zum repräsentativen Museumssaal. Während bei einem Atelier eher Qualitäten einer kostengünstig zu erstellenden Werkstatt mit hohem Potenzial für konzentriertes und kreatives Arbeiten gewünscht werden, ist bei einem Kunstmuseum als öffentliche Kultureinrichtung mit Bildungsauftrag — neben dem Sammeln und Bewahren von Kunst — insbesondere die Außenwirkung von großer Bedeutung.

Unstrittig dürfte sein, dass Architektur Einfluss auf die Kunst hat. Das gilt für das Atelier, in dem sich der Künstler nicht der Wirkung des Ortes entziehen kann, genauso wie für den Ausstellungsraum, der je nach seinen räumlichen Bedingungen ein Kunstwerk in ein
bestimmtes Licht rückt. Aber auch umgekehrt: Wenn der Architekt für ein konkretes Kunstwerk einen Ausstellungsort entwickeln soll, wird sein Entwurf von der Kunst beeinflusst.

Einen vollkommen neutralen Ort für die Präsentation bzw. für das Erschaffen von Kunst zu kreieren, ist so gesehen unmöglich. Dies ist jedoch keineswegs als Makel zu verstehen, vielmehr können gelungene Beispiele dieses vielfältigen Gebens und Nehmens von Kunst und Architektur dazu anregen, neue Perspektiven jenseits des Banalen und Alltäglichen einzunehmen, also auf das, was Kunst erst zur Kunst macht.
~mh


zum Inhaltsverzeichnis db 9/2018 »