Mehrfamilienhaus in Zürich (CH)

Neu verzahnte Räume

Um Altbauwohnungen zu sanieren, muss man nicht alles herausreißen, was irgendwann mal dazu kam. Aber neu sortiert und angeordnet, erhalten die Räume eine ganz andere Qualität. Liis Architektur interpretiert dabei auch die Türschwelle barrierefrei um.

Das Eckhaus an der Arbenzstrasse ist Teil einer Blockrandbebauung in Formen der Heimatschutzarchitektur und befindet sich im Zürcher Seefeldquartier. Das fünfgeschossige Gebäude wurde – wie auch seine Nachbarn – von dem Architekten Josef Löhlein entworfen und 1916 fertiggestellt. Die großzügigen Mietwohnungen, je eine pro Geschoss, bestanden bis in die 70er Jahre. Dann baute man einen Lift ein und teilte die Wohnungen in je zwei kleinere Einheiten mit zwei und drei Zimmern und jeweils einem kleinen Balkon auf. Die nach gut drei Jahrzehnten unvermeidbare Erneuerung von Küchen, Nasszellen und Bodenbelägen (sowie des Lifts) führte dazu, eine Sanierung grundsätzlicher anzugehen. Weil kleine Wohnungen angesichts hoher Mieten in Zürich weiterhin auf rege Nachfrage stoßen, entschied man sich, die in den Siebzigern entstandene Struktur im Wesentlichen beizubehalten. Der Umbau durch das Zürcher Büro Liis Architektur zielte allerdings darauf, die räumliche Qualität der Wohnungen zu erhöhen. Durch Entfernen der Wände zwischen Korridor und Küche in den kleinen Einheiten entstand ein attraktiver Koch- und Essbereich in der Mitte, der wie ein vollwertiger Raum wirkt, sodass die Anmutung von Dreizimmerwohnungen erzielt wurde. Die hölzernen »Türschwellen« aller mit Parkett versehenen Wohn- und Schlafzimmer greifen in die mit großformatigen Plattenbelägen ausgestatteten Küchen- und Flurbereiche über und sorgen dafür, dass die getrennten Räume sich miteinander verzahnen. Dieser Effekt wird noch verstärkt, indem die Türen zwischen den Räumen jetzt axial aufeinander bezogen sind und damit Durchblicke ermöglichen, welche die Wohnungen größer erscheinen lassen. Damit das Tageslicht auch die vormals dunklen Nasszellen in der Tiefe der Grundrisse erreicht, schufen die Architekten neue Innenwandöffnungen mit transluzentem Glas.

Im unteren der beiden DGs ging man nach der gleichen Strategie vor, löste aber die Trennung der Wohnungen auf, sodass ein Kontinuum mit 5,5 Zimmern entstanden ist. Im neu ausgebauten Studio des oberen DGs wurde aus einfachem Fichtenholz eine Mehrzweckwand eingefügt, die Abstellräume und eine Teeküche verbirgt. Zusammen mit dem geschliffenen und geölten Unterlagsboden zeigt sie einen rohen Charakter und verweist damit auf die frühere Nutzung als Speicher. Dazu passt die abgehängte filigrane Treppe aus nacktem Stahl, die auf eine der für die Wohnquartiere Zürichs typischen Dachterrassen führt.

~Hubertus Adam