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The Object of Zionism

The Architecture of Israel. Von Zvi Efrat. 1 000 S., zahlreiche farb. und s/w-Abb., Hardcover, englisch, 62 Euro, Spector Books, Leipzig 2018

~Hubertus Adam

In den 90er Jahren begann der in Tel Aviv ansässige Architekt Zvi Efrat, systematisch Städtebau und Architektur der ersten Dekaden des israelischen Staats zu untersuchen. Damals erwachte allmählich auch das Interesse an der »Weißen Stadt« Tel Aviv, also der von Emigranten ins damalige Palästina exportierten europäischen Moderne. Ab 1977, als der Likud die bisher dominierende Arbeiterpartei ablöste, vollzog sich ein fundamentaler Wandel in der israelischen Gesellschaft, eine Wende hin zum Konservativen und Neoliberalen, der den Idealismus der frühen Jahre völlig vergessen ließ. Efrat erforschte die frühen Jahre, in der eine Gesellschaft aus Einwanderern ganz unterschiedlicher Herkunft zu einem sozialistischen Musterstaat »verschmolzen« werden sollte – nicht zuletzt mit Mitteln der Architektur, des Städtebaus, der Raumplanung. »The Israel Project« nannte er die Ausstellung, die 2001 im Israel Museum
of Art zu sehen war. Drei Jahre später erschien der zweibändige Katalog, in dem die Forschungsergebnisse dokumentiert wurden,
auf Hebräisch. In einer veränderten Fassung konnte die Ausstellung wiederum unter dem Titel »The Object of Zionism« 2011/12 in Basel gezeigt werden – am Ort des ersten Zionistenkongresses von 1897.

Die Forschungsergebnisse Efrats liegen mit der Publikation »The Object of Zionism. The Architecture of Israel« seit 2018 endlich auch auf Englisch vor.

Efrat zeigt Israel als ein Versuchslabor:
Er folgt dem Siedlungsplan von Arieh Sharon, dokumentiert die New Towns, die Universitätsgründungen, die Regierungsgebäude, die Bauprogramme des Gewerkschaftsverbands Histadrut, aber ebenso Camps und Notunterkünfte, die lange Zeit das Bild bestimmten, und nicht zuletzt die kollektive Siedlungsform der Kibbuzim, die mit der Veränderung der israelischen Gesellschaft ebenfalls in die Krise geriet. Essays zu übergreifenden Themen und Typologien wechseln mit einzelnen Projekten, Plänen und Akteuren ab.

Ein grandioses, ein unverzichtbares, ein für
das Verständnis des jüdischen Staats zentrales Buch mit 1 000 Seiten und 1 400 Abbildungen. Kaum irgendwo finden sich Gebäude des Brutalismus und Strukturalismus in solch großer Zahl wie in Israel, kaum irgendwo ist jedoch auch Architektur so eng mit Politik verknüpft.