Schöne neue Stadt

Wie der Sicherheitswahn die urbane Welt diszipliniert. Von Elisabeth Blum. 165 Seiten, Format 15,5 x 22 cm, 10 schwarzweiße Abbildungen, broschiert, 23 Euro, 36 SFr

Birkhäuser Verlag, Basel, 2003
Elisabeth Blum dokumentiert Fakten: nicht nur die Präzision, mit der ganze Stadtgebiete überwacht werden, nicht nur, dass mit den Kameras Menschen, ohne dass sie es bemerken, durch die ganze Stadt verfolgt werden können, sie dokumentiert auch die Freiheit, die die genießen, die in der Vertretung der Sicherheit anderen das Recht auf deren Freiheit streitig machen. Doch das ist nur die eine Ebene des Buchs. Eine zweite ist der Beobachtung gewidmet, warum es dazu kommen kann, dass dies ohne öffentliche Empörung, nicht einmal öffentlich diskutiert vor sich geht. Der Prozess, in dessen Verlauf man sich an etwas gewöhnt, als Tatsache akzeptiert und in der Abwesenheit dann als Bedrohung empfunden wird, steht in direkter Verbindung mit der Lautstärke und Penetranz, in der eine fiktive Bedrohung inszeniert wird. Das bedeutet nichts weniger, als dass die Städte zu Besserungsanstalten werden und der Spielräume der Freiheit, die sie einmal boten, völlig verlustig gegangen sind. Sicherheit ist keine mehr, die die Existenz gewährt, sondern eine, in denen Menschen als Gefahr für andere diskrimmeniert werden. Die dritte Ebene in den mit vielen Bezügen, etwa auf Horkheimer, Arendt, Habermas, Joseph Beuys und Paul Virillo geführten Aufzeichnungen bildet die Beantwortung der Frage, warum dies alles geschieht. Und an dieser Stelle wird die Empörung mehr als verständlich. Denn Blum zeigt, dass all dies den Praktiken in totalitären Staaten gleicht oder entspricht. Es ist ein Spiel der Macht, das von wirtschaftlichen und militärischen Netzwerken ausgeht und ohne personifizierte Bösewichte geführt wird. Das macht die Hoffnung auf eine versöhnliche Zukunft nur umso mehr zur Illusion. ch