Moderators of Change

Architektur die hilft. Hrsg. von Andres Lepik in Zusammenarbeit mit Anne Schmedding. 256 S., 170 farb. Abb., broschiert, 35 Euro. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2011

~Christian Holl

»Die Rückkehr des Sozialen« überschreibt Andres Lepik seinen zunächst mit holzschnittartigen Allgemeinplätzen durchsetzten Einleitungstext, bevor er zum eigentlichen Inhalt des Buchs überleitet: den Projekten aus aller Welt, die er in Zusammenarbeit mit Anne Schmedding zusammengestellt hat. Sie sind so überzeugend, dass es nicht nötig gewesen wäre, eine »Rückkehr des Sozialen« zu postulieren, gerade so, als seien Architekten bis vor wenigen Jahren nur gewissenlose Ästheten gewesen. Der Wert der Architektur, die »sich wesentlich durch ihr soziales, ökologisches und politisches Engagement« auszeichnet (so Brigitte Oetker im Vorwort), besteht gerade nicht darin, sich von anderer Architektur unterscheiden zu wollen oder zu müssen – es geht den Verfassern darum, das unmittelbar und konkret zu Verantwortende ernst zu nehmen, Kenntnisse und Erfahrungen der Vergangenheit aufzugreifen und weiterzuentwickeln, die Gegebenheiten des Ortes zu berücksichtigen und einen eignen Beitrag zu leisten. Vorgestellt werden engagierte Architekten, die vor Ort intensiv recherchierten und mit den Bewohnern arbeiteten. Sie haben die Projekte jüngeren Datums meist selbst angeregt, diese stehen dort, wo es dauerhaft soziale Probleme gibt; 19 werden ausführlich vorgestellt, auf weitere wird in den Text-Beiträgen verwiesen. Betont wird das Engagement, die konkrete Wirkung, die Zusammenarbeit mit den Menschen: Architektur als Hoffnungsträger, als verbindendes Ziel. Die Projekte kommen aus Afrika, Amerika, Asien, Europa; hauptsächlich sind es öffentliche Bauten, wie Schulbauten oder Kindergärten, es finden sich aber auch eine Moschee, Infrastrukturprojekte oder strategische Ansätze wie die Wächterhäuser in Leipzig, in denen Kreative lediglich gegen Übernahme der Betriebskosten die Gebäude gegen Vandalismus und Verfall schützen. Natürliche Materialien, wiederverwendete Bauteile, neue Nutzungen für bestehende Gebäude, Urban Gardening: Viel Fantasie wird darauf gerichtet, das Bestehende zu transformieren anstatt mit Neuem helfen zu wollen. Im Buch wird es nicht ausgesprochen, aber es teilt sich doch mit: Dieses Engagement ist die Ausnahme, und das Buch will es in Wert setzen, gegen die Resignation verteidigen; Moderators of Change ist also auch ein Appell, sich anstecken zu lassen.