Mobile Architecture

Construction and Design Manual. Von Kim Seonwool und Pyo Miyoung (Hrg.). 844 S., über 1000 Abb., engl., Hardcover, 78 Euro, DOM publishers, Berlin 2012

~Christoph Gunßer

Ein schwergewichtiges Buch zu einer leichten, beweglichen Architektur – als »Handbuch« taugt diese Sammlung mobiler Projekte nur bedingt. Daran ist indes auch der Umstand schuld, dass die 120 Beispiele von 43 Büros zwar breit und bunt, aber ohne erkennbare Ordnung, geschweige denn Einordnung oder Kommentierung präsentiert werden. Zu wild wuchern im noch recht neuen Feld der »nomadischen«, »flexiblen« und »vernetzten« Raumangebote die Ideen und – wie das bei unterbeschäftigten Architekten nun mal ist – auch die Utopien, als dass sich schon klare Kategorien bilden oder die »Performance« beurteilen ließe. Da steht der recht konventionelle Messestand neben einem improvisierten textilen Baum-»Nest«, der originelle Schlafkarren »Room-Room« fürs Existenzminimum neben einem rollenden Theater auf Basis von Eisenbahnwaggons, Aufblasbares à la Archigram und stromlinienförmige Zelte neben vielen, vielen Boxen. Gerade die Container haben es offenbar immer noch vielen Architekten angetan (dazu gab es aber unlängst den detaillierteren Atlas von Han Slawik). Schon die klassische Moderne nahm gern die mobilen industriellen »Readymades« zum Vorbild. Heute, das skizzieren die wenigen einleitenden Aufsätze konzis, läuft eine individuell sein wollende Architektur Gefahr, an den Gesetzen globaler Produktion und Distribution zu scheitern, wie sie etwa das Ikea-Prinzip so erfolgreich vorführt: »Es zu entwerfen ist leicht, es zu produzieren sehr schwer«. Zwischen pragmatischem Möbeldesign (etwa für aufklappbare Büro-Container oder Schlafzellen an Flughäfen) und ernst gemeinten, aber hier eher witzig wirkenden »Airdrop Houses« für Katastrophengebiete, zwischen Mainstream-Markt und Grassroots-Traum also, spannt sich der Bogen der auf diese Weise arg kaleidoskopischen Publikation. Streckenweise fühlt man sich in die Siebzigerjahre zurückversetzt, mit dem Unterschied, dass neue Materialien, Planungs- und Fertigungsmethoden viele Ideen heute tatsächlich zu Raum werden lassen. Seltsam ortlos wirken die Projekte gleichwohl alle, mobile »Blasen« im Irgendwo – erst im Kleingedruckten, neben teils eitel aufgeblasenen Porträts, erfährt man als Leser wenigstens etwas über die Herkunft ihrer Schöpfer. Eine reich bebilderte Momentaufnahme einer architektonischen Trendsportart.