Hans Poelzig

Architekt Lehrer Künstler. 1869 bis 1936. Hrsg. von Wolfgang Pehnt und Matthias Schirren. 269 Seiten mit 260 SW- und 90 Farbabbildungen. Gebunden, 49,95 Euro, 84.90 sFr. DVA, München, 2007

~Annette Menting Die von Wolfgang Pehnt und Matthias Schirren kuratierte Hans-Poelzig-Ausstellung in der Akademie der Künste, Berlin, wird wegen des großen Erfolgs bis zum 20. Januar verlängert. Anschließend wird sie vom 23. Februar–18. Mai im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt gezeigt.

Bereits in der Neuauflage des Standardwerkes zum Expresssionismus vor knapp zehn Jahren hatte Wolfgang Pehnt in seinem bemerkenswerten Beitrag zum Architekten Hans Poelzig neue Aspekte herausgestellt. Der Architekt des »so dazwischen«, zwischen Avantgarde und Tradition, hatte im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle inne und nachhaltigen Einfluss auf Zeitgenossen ausgeübt, doch in der Architekturgeschichtsschreibung hatte sein kaum kategorisierbares Einzelwerk bisher keinen angemessenen Platz gefunden. Das animierte die Herausgeber Pehnt und Schirren, begleitend zur Poelzig-Ausstellung in der Akademie der Künste ein Buch zu publizieren, da die gleichermaßen persönlichen wie aufschlussreichen Poelzig-Monografien des Freundes Theodor Heuss (1939) und des Poelzig-Schülers Julius Posener (1966) Jahrzehnte zurückliegen. Und es lohnt sich, diesen aktuellen Überblick zur Hand zu haben, denn die Autoren können auf einen inzwischen gut verdichteten Forschungsstand zu dieser spannenden Architekturära zurückgreifen und entsprechend neue kontextbezogene Betrachtungen anstellen. Dabei legitimiert Wolfgang Pehnt im ersten Kapitel zu Leben und Werk den kraftvoll-archetypischen Duktus des Meisters als »Wille zum Ausdruck«, was auch in der Wahl der eindrucksvollen, titelbildbeherrschenden Talsperre im sächsischen Klingenberg anschaulich wird. Matthias Schirren versucht, neben Schriften und Projekten auch die Malerei in die poelzigschen Architekturreflexionen einzubeziehen. Acht weitere Autoren liefern Beiträge zu Einzelthemen, wobei die Darstellungen zu Poelzigs Filmarchitektur von Claudia Dillmann, zur »Kollektiven Festlichkeit« beim Theater- und Festbau von Heike Hambrock und zu den »Gemalten Balladen« von Christian Marquart ein neues Poelzig-Bild zeichnen. Zudem werden neben den Berliner Bauten auch die Werke in der Umgebung seiner frühen Wirkungsorte Breslau und Dresden in aktuellen Fotografien von Sabrina Dohle ausgezeichnet nahegebracht. Zuletzt darf auf den gut verwendbaren Werkkatalog verwiesen werden, der zur Weiterarbeit am großen Themenspektrum des Werkes von Hans Poelzig verleiten kann.