fussgängerbrücken

Konstruktion, Gestalt, Geschichte. Von Ursula Baus und Mike Schlaich. Fotos von Wilfried Dechau. 255 Seiten mit 150 SW- und 180 Farbabildungen. Gebunden, 79,90 Euro, 129 sFr. Birkhäuser Verlag, Basel, 2008

~Cengiz Dicleli

»Noch ein Brückenbuch?«, dachte ich, als angefragt wurde, ob ich das Buch von Ursula Baus und Mike Schlaich rezensieren möchte. Als ich es dann in den Händen hielt und zu blättern begann, war ich gleich fasziniert unter anderem von der großen Vielfalt und vor allem von der Qualität der Fotos. Die meisten stammen von Wilfried Dechau, der engagiert und versiert Brücken fotografiert. Ja, es stimmt; Literatur über Fußgängerbrücken ist dünn gesät.
Mit Mike Schlaich ist ein Fachmann dabei, der aus einem Büro stammt, das mehr als fünfzig Brücken gebaut hat. Vielen ähnlichen Veröffentlichungen mangelt es oft an sach- und fachkundiger Begleitung, wenn Nichtingenieure sich an solche Themen wagen. Die Publizistin und Architekturkritikerin Ursula Baus, der ausgewiesene Fachmann für Tragwerksentwurf Mike Schlaich und der nicht nur durch seine Brückenfotos bekannte Wilfried Dechau haben es sich nicht leicht gemacht; neunzig Fußgängerbrücken aus Europa werden mit Fotos und teilweise mit Plänen und Details sowie Literatur in zum Teil eigenwilligen Kapiteln (»Konstruktion als ethische Maxime«) vorgestellt. 120 weitere werden mit einem Foto und mit den wichtigsten Daten aufgelistet. Das Einzige, was noch fehlt, sind die entsprechenden GPS-Daten, um die Brücken im Google-Earth leichter finden zu können.
Das Layout ist durchdacht und frisch, wird lediglich hier und da mit der Fülle des Bildmaterials nicht konsequent fertig. Bemerkenswert und einmalig für Brückenbücher ist der interessante Umschlag, worauf überraschenderweise keine Brücke zu sehen ist. Diese wird durch die Abbildung der Spiegelung der Seile einer Hängebrücke im Wasser dezent, aber wirkungsvoll nur angedeutet.
Wer übrigens junge Studierwillige für den Beruf des Bauingenieurs begeistern möchte, ist mit diesem Buch bestens bedient.