Deutsche Jüdische Architekten vor und nach 1933 – Das Lexikon

500 Biografien. Von Myra Warhaftig. 504 Seiten mit zahlreichen S/W-Ab- bildungen. Gebunden, 49 Euro, 84 sFr. Reimer Verlag Berlin, 2006

Die Notwendigkeit und gleichzeitig Schwierigkeit, ein Lexikon mit 500 Biografien deutscher jüdischer Architekten zusammenzustellen, wird schon beim ersten Durchblättern deutlich: Immer wieder fehlen Angaben zum Sterbe- aber auch Geburtsdatum, sind Ortsangaben mit Fragezeichen versehen oder umfasst die Biografie außer des Namens gerade einmal vier Zeilen. Nur von 301 der 500 ist »das Schicksal« überhaupt bekannt. Von ihnen gelang 175 die Flucht, 84 wurden deportiert und ermordet, 18 starben oder suchten den Freitod und fünf lebten während des Nationalsozialismus‘ in der Illegalität.

So sind die einzelnen Texte von ganz unterschiedlicher Länge und inhaltlicher Tiefe; einige ohne Bilder, andere wieder recht umfangreich mit Porträts, Titeln von Veröffentlichungen, Modellen und natürlich Bauten, seltener auch Zeichnungen, bebildert. Doch ein solches Buch muss lückenhaft sein, unter anderem darin liegt sein Verdienst. Zahlreiche Erkenntnisse sind auf jeden Fall zu gewinnen: Denn wer hätte sich sonst noch an Nentwich & Simon erinnert, von denen unter anderem mit der Filmbühne Wien (1912) und dem Handelhaus (1911) zwei Bauten im heutigen Stadtbild Berlins fest verankert sind. Andere Namen werden in Erinnerung gerufen, zum Beispiel der Berliner Erwin Anton Gutkind, der zwar das Glück hatte, dass etliche seiner Siedlungen aus den Zwanzigerjahren im Krieg nicht zerstört wurden, der aber, wie es im Buch sehr richtig heißt, dennoch in Vergessenheit ge- raten ist.
Beim Studium dieses wichtigen Lexikons bekommt man eine Vorstellung davon, welch einen Verlust die Entrechtung und Vertreibung der jüdischen Architekten, von denen etliche in Israel oder den USA Bedeutung erlangten, für die deutsche Baukultur darstellen. ~uk