Der Ingenieurbahnhof

Der Bau des neuen Berliner Hauptbahnhofs. Klaus Grewe und Bernd Timmers (Hrsg.), Deutsch/ Englisch. 199 Seiten mit zahlreichen Fotos. Gebunden, 49 Euro.

Nelte Verlag, Wiesbaden, 2005
Wer kann schon ermessen, was es heißt, Bewehrungen von 500 kg Eisen pro m³ mit bis zu acht Lagen in Brückenbalken von drei mal drei Metern einbauen zu müssen, die letzten davon im Liegen! »Menschen im Stahl« heißt ein Kapitel mit langer Bildstrecke, das uns die Eisenbieger als Helden der Arbeit nahe bringt. »Maulwurfsarbeit« ist ein anderes Kapitel überschrieben, das die Pfahlgründungen und Fundamentierungen in der Baugrube schildert. Offenbar können Maulwürfe schwimmen, denn Taucher blicken uns an, die beim Grundbau für Hochbauten und Tunnelröhren eine wichtige Rolle spielten. Schließlich steht das Grundwasser in Berlin schon bei drei Meter Tiefe an, und die Spree nimmt nebenan ihren Lauf. Roland Horn hat fünf Jahre lang Schwarzweißbilder gemacht, von Stützenköpfen wie Skulpturen, leeren Betonhallen wie Kathedralen, von Gerüstschluchten wie Canyons und Schalungslabyrinthen wie Urwalddickicht sowie von den Menschen, die am riesigen Bauvorhaben des neuen Berliner Zentralbahnhofs werkelten. Klaus Grewe und Bernd Timmers von der Strabag AG haben die Texte zusammengestellt, Geschichten von Ingenieuren über ihre Arbeit mit Beton und Stahl, über die Berechnung, Planung und Organisation des Rohbaus. Bald beginnt der Ausbau und die rohen, leeren, großartigen Formen werden unter kleinteiligen Strukturen, Verkleidungen und Nutzungen verschwinden. Dann wird wohl jemand mit der Farbkamera kommen und ein Buch über den fertigen nagelneuen Hauptbahnhof fotografieren. Schöner wird es nicht werden, beeindruckender schon gar nicht.