Der bürgerliche Tod

Städtische Bestattungskultur von der Aufklärung bis zum frühen 20. Jahrhundert. Hrsg. von Claudia Denk und John Ziesemer. 239 Seiten, in deutscher und englischer Sprache, mit zahlreichen Abbildungen. Kartoniert, 49,90 Euro, 86 sFr. Schnell & Steiner, Regensburg, 2007

Fast zwei Jahre nach dem vom Deutschen Nationalkomitee des Internationalen Rats für Denkmalpflege, ICOMOS, interdisziplinär und international ausgerichteten Symposiums »Der bürgerliche Tod« liegt nun der Tagungsband vor. Schon ein Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt die umfassende Breite und Tiefe, mit der sich neben Kunst- und Kulturhistorikern, Historikern, Soziologen und Denkmalpflegern auch Naturwissenschaftler und Fachleute für Restauration sich wieder einmal gemeinsam einem Thema widmeten.

Dass der Umgang mit dem Tod und die Art der Totenruhe zu jeder Zeit etwas über die gesellschaftlichen Zustände und Denkweisen aussagt, ist keine neue Erkenntnis. Die dezidierte, vielschichtige Analyse gerade im Bezug auf die großen innerstädtischen Friedhofslagen aber ermöglicht neue Einsichten, die unter anderem auch für künftige städtebauliche Planungen Relevanz haben.
Von der Aufklärung über die Romantik, vom Historismus bis hin zu den Ansätzen des Werkbunds und Bauhauses waren es immer wieder auch Architekten, die den Totenstätten ein Gesicht gegeben haben. Viel darüber und auch über die Auswirkungen, die die Bewegungen des Werkbunds und des Bauhauses zur heutigen Friedhofskultur beigetragen haben, die mit standardisierten Massenartikeln für die Grabgestaltung den Auswüchsen des Historismus Herr zu werden trachteten, finden sich in der ersten Hälfte des Bandes. So werden in einzelnen Referaten die unterschiedliche Rezeption des Todes in der judäisch- und der christlich-abendländischen Tradition herausgearbeitet, die Entwicklung des Landschaftsparks aus dem Verständnis der Romantik für die Friedhofsgärten verdeutlicht.
Von selbst in diesem Kontext herausstechender Qualität ist der ebenfalls wiedergegebene Festvortrag »In Face of Death: Calming the Mind, Mining the Soul« von Richard A. Etlin, eine geistesgeschichtliche Rezeption der Vergänglichkeit, aufgezeigt in Dichtung, Naturwissenschaften und Architektur. Wie fast alle weiteren Texte wird auch dieser ergänzt um jeweils sehr genaue, umfangreiche bibliografische Nachweise, in denen sich manche wenig bekannte Literaturschätze finden lassen.
Wer sich mit konservatorischen Aspekten von Grabmälern oder infrastrukturellen Friedhofsplanungen nicht auseinandersetzten möchte, dem bieten die ersten 170 Seiten immer noch genügend berufliche und persönliche Anregungen zur Endlichkeit. Es ist eine anspruchsvolle, kompakt-informative, sogar spannende aber etwas sperrige Lektüre, die entdeckt werden will, da die einzelnen Referate nicht einheitlich aufbereitet wurden, außerdem englische und französische Vorträge im Original abgedruckt und nicht immer mit deutschen Zusammenfassungen versehen sind. ~elp