AUS ALLEN RICHTUNGEN

Positionen junger Architekten im BDA. Bund Deutscher Architekten (Hrsg.), 208 S., Hardcover, 29,80 Euro, Karl Krämer Verlag, Stuttgart 2013

~Hartmut Möller

Der 1993 gegründete »Arbeitskreis Junge Architektinnen und Architekten« (AKJAA) versteht sich als bundesweites Netzwerk der jungen Generation innerhalb des BDA. Seine rund 40 Mitglieder suchen über regelmäßige Klausurtreffen, Ausstellungen, Vorträge und Exkursionen den lebendigen Dialog als vertrauten und kontroversen Austausch. Dank einer selbstgesetzten Altersgrenze von 45 Jahren expandiert und erneuert sich das Forum stetig. Die vorliegende Publikation entstand im Zusammenhang einer Wanderausstellung gleichen Namens. Sie ist das Ergebnis eines diskursiven Wochenendes, an dem die eigene Haltung zu gesellschaftlichen und baulichen Herausforderungen mit Journalisten, Architekturkritikern und -theoretikern reflektiert wurde.
Es ist naheliegend, und sicher richtig, dass Michael Frielinghaus als Präsident des BDA im Vorwort die Relevanz des AKJAA hervorhebt und sich hinsichtlich frischer Ideen, Mut und Unbefangenheit insbesondere im Wettbewerbswesen ein offeneres Verfahren wünscht. Es folgt ein geschichtlicher Überblick zur jungen Architektenszene und bisheriger Aktivitäten der Institution. Claus Käpplingers Ausführungen können dabei durchaus als Lobgesang interpretiert werden. Der Hauptteil des Buchs widmet sich in Gesprächen dem alltäglichen Produktionsprozess der Büros anhand diverser thematischer Paarungen (Neu vs. Alt, Grün vs. Schwarz, Freiheit vs. Ordnung, Konvention vs. Haltung, Regional vs. Global, Stadt vs. Haus). Angenehm eingerahmt sind die schriftlich festgehaltenen Debatten durch eine Vielzahl jüngst realisierter Beispiele, die Bezug auf die vorhergegangenen Erörterungen nehmen. Die einzelnen Projekte sind durch Farbfotos und Erläuterungstexte dokumentiert. Leider werden sie nur selten durch Pläne ergänzt, die anstelle einiger Bilder sicher stärkeren Zugang zu den Gebäuden gewähren würden. Spannend zu lesen hingegen sind vermutlich gerade für junge Mitstreiter die jeweiligen Lebensläufe der Protagonisten. Eine Liste ehemaliger und aktiver AKJAA-Mitglieder rundet das Werk als gute Übersicht zur Beschaffenheit der deutschen Gegenwartsarchitektur ab.