Architekturpolitik_in_Finnland.jpg

Architekturpolitik in Finnland

Wie Baukulturelle Bildung gelingen kann. Von Turit Fröbe. 192 S., 50 z. T. farbige Abb., Klappenbroschur, 35 Euro, jovis Verlag, Berlin 2020

Finnland gilt vielen im Hinblick auf die baukulturelle Bildung der breiten Bevölkerung und insbesondere von Kindern und Jugendlichen als Leuchtturm, denn dort gibt es seit 1998 eine offizielle Architekturpolitik. Da die deutsche Bundesregierung noch in diesem Jahr »Baukulturelle Leitlinien des Bundes« verabschieden will, ging die Autorin Turit Fröbe in einer Feldstudie der Frage nach, wie erfolgreich der finnische Weg tatsächlich ist und welche Elemente – sofern überhaupt möglich – auf Deutschland übertragen werden könnten. Der als Aussage formulierte Untertitel des Buchs nimmt das Ergebnis schon vorweg. Als Frage formuliert, hätte er die ergebnisoffene Herangehensweise besser vermittelt.

Um möglichst breitgefächerte und fundierte Informationen zu erhalten, sprach Fröbe während eines achttägigen Aufenthalts in Helsinki mit verschiedenen Personen, die maßgeblich an der finnischen Architekturpolitik beteiligt sind. Als Ergänzung, auch über die Metropolregion Helsinki hinaus, führte die Autorin über verschiedene Kanäle weitere Interviews.

Gegliedert ist das Buch in sechs Kapitel und eine zusammenfassende Schlussbetrachtung. Zuerst gibt die Autorin einen tiefgehenden und zugleich nicht zu detaillierten Überblick über die Geschichte der baukulturellen Bildung in Deutschland und Finnland und befasst sich mit den deutlich unterschiedlich gelagerten Voraussetzungen, wie zentrales/ föderales Bildungssystem. Im Weiteren geht es um die Besonderheiten der finnischen Architekturpolitik, deren Erfolg auf konkreten Projekten und lokalen architekturpolitischen Programmen beruht, und den Prozess rund um die neue architekturpolitische Strategie namens APOLI2020, die noch in diesem Herbst veröffentlicht werden soll. Den Lesern werden außerdem verschiedene Institutionen vorgestellt, etwa die Biennale Archinfo Finland, bevor ein Gastbeitrag von Jaana Räsänen, Direktorin der ARKKI School of Architecture for Children and Youth in Helsinki, den letzten Input liefert. Die fünfseitige Schlussbetrachtung eignet sich für jene, die nur das Ergebnis der Feldstudie erfahren möchten. Alle, die sich detailliert für dieses Thema interessieren, werden auch die vorhergehenden rund 170 Seiten intensiv studieren, denn das Buch liefert viele neue Informationen, vielfältige Einblicke und ist gleichzeitig leicht zu lesen.

~Simone Hübener