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Architektur wahrnehmen

Architektur wahrnehmen. Von Alexandra Abel und Bernd Rudolf. 400 S., durchgängig farb. Abb.,kartoniert, 35 Euro, transcript Verlag, Bielefeld 2017

~Carsten Sauerbrei

Mindestens ebenso wichtig wie Fragen der Funktionalität, Nachhaltigkeit oder Wirtschaftlichkeit zu klären, ist es, die gebaute Umwelt bewusst wahrzunehmen, die Bedingungen, unter denen dies geschieht, zu analysieren und in einen Dialog mit den Rezipienten von Architektur einzutreten. Bürgerbegehren gegen moderne Architekturprojekte und die weitverbreitete Sehnsucht nach Rekonstruktion von Vergangenem zeigen die Notwendigkeit einer vielschichtigen Betrachtung für den Erfolg zeitgenössischer Bauprojekte.

Dennoch wird die Lehre der Architekturwahrnehmung und -vermittlung im Studium oft vernachlässigt. Der vorliegende Sammelband schafft hier Abhilfe, macht er doch 15, von Experten im Rahmen einer Ringvorlesung an der Bauhaus-Universität Weimar gehaltene Vorträge einer größeren Öffentlichkeit zugänglich. In drei ähnlich große Bereiche, mit jeweils ca. fünf Beiträgen, gliedern die Herausgeber die multiperspektivische Annäherung an das Thema, die u. a. aus dem Blickwinkel von Psychologen, Bildhauern, Journalisten, Kunstgeschichts- und Erziehungswissenschaftlern, Geschichts- und Medienwissenschaftlern, Kunstdidaktikern und natürlich Architekten geschieht.

Das einleitende Kapitel »Grundlagen der Architekturwahrnehmung« stellt eine gründliche Einführung in das psychologische, philosophische und architekturtheoretische Basiswissen zum Thema dar. Mit den Beiträgen des zweiten Teils »Wahrnehmungsunterschiede und -besonderheiten« widmen sich die Autoren dem unterschiedlichen Blick auf die gebaute Umwelt. Architekten stehen im Vergleich zu Nicht-Architekten und die Auffassungen von Menschen verschiedener kultureller Herkunft, schwerst- und chronisch Kranke oder Besucher bzw. Häftlingen der nationalsozialistischen Konzentrationslager werden aufgeführt. Gelungene Beispiele aus der Vermittlungspraxis stehen im dritten Buchteil »Architekturvermittlung« im Mittelpunkt der Betrachtung, aber auch die Frage nach Kriterien für eine erfolgreiche Vermittlungsarbeit.

Die Vielfalt der Blickwinkel, aber auch die in die Tiefe gehende Darstellung der verschiedenen Aspekte von Architekturwahrnehmung und -vermittlung sind die Stärken dieses Buchs, das sich als Lektüre sowohl für Architekturstudierende und Architekten, aber auch für Umweltpsychologen oder Architekturvermittler eignet.