Herzog & de Meuron (Münchenstein)

Eine dunkelrote, brodelnd aufgetischte Zuckersuppe empfängt den Besucher im Erdgeschoss des Schaulagers, das Herzog und de Meuron im vergangenen Jahr als Museum vor den Toren Basels bauten. Der Zucker ist natürlich zum »Kunstwerk« ausgehärtet – und als Konditoren beweisen die beiden Baseler, die seit Kindesbeinen gemeinsame Sache machen und inzwischen mit vier weiteren Partnern und fast zweihundert Mitarbeitern zu einem erfolgreichen Global Player avanciert sind, einmal mehr ihre Vielseitigkeit. Normalerweise, so Jacques Herzog, seien Architekturausstellungen langweilig und zu wenig sinnlich. Und so habe er nicht das Übliche zeigen wollen, sondern: 25 Jahre »Abfall«, der beim Entwerfen übrig blieb und nun den Entwurfsprozess erkennbar mache. Dieses Ausstellungsgut – auf Tische gestellt oder an die Wände geklebt – gibt Auskunft darüber, wie Varianten über Varianten erarbeitet, Werkstoffe probiert, Konstruktionen experimentell erforscht, Inspirationen in Kunst und Natur gesucht werden. Mit aller Zeit der Welt wird eine gehobene Bastelkultur gepflegt. Ja, so arbeitet man hier, wobei Jacques Herzog in charmanter Unbescheidenheit auf die Einzigartigkeit seines Büros hinweist, dessen Arbeiten sich ständig veränderten und immer wieder neue Ansätze zeitigten. Vom Hochhaus auf der Schatzalp bis zum Olympiastadion in Peking – die Baseler fürchten auch die Expansion in andere Kulturkreise keineswegs. Doch was tun sie eigentlich? Sie beobachten wachsam die Gegenwart und pflegen ein kreatives Potenzial, das junge Mitarbeiter und Künstler aller Art einbezieht. Herzog & de Meuron sind schräge Intellektuelle und kopflastige Spieler zugleich – mit bizarrem Erfolg in Zeiten weltweiten Kommerzialisierungsterrors. ub

Bis 12. September, Schaulager, Ruchfeldstrasse 19, Di – Fr 12 –18 Uhr, Do 12 –19 Uhr, Sa, So 10 – 17 Uhr