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Aussichtsturm

Hemer
Aussichtsturm

~Karl R. Kegler

Die NRW-Landesgartenschau in Hemer im Sauerland hinterlässt nach ihrem Ende eine spektakuläre Landmarke. Das Veranstaltungsgelände, eine ehemalige Kaserne, liegt vor einem bewaldeten Hang, der auf eine höhere Geländestufe – den Jüberg – führt. Als Abschluss einer »Himmelsleiter« genannten Treppenanlage, vermittelt der »Jübergturm« als Aussichtspunkt zwischen Stadt und freier Landschaft.
Der knapp 24 Meter hohe, runde Turm ist ein Hyperboloid, dessen offene, tragende Struktur aus schichtverleimten Lärchenstäben und einer Stahlkonstruktion besteht. Alle Lasten werden durch die Holzstäbe abgetragen, Ringanker, Plattformen und Treppen sind aus Stahl gefertigt. Der im Wettbewerb zweitplatzierte Entwurf variiert das Konstruktionsprinzip, das auf den russischen Ingenieur Wladimir Schuchow (1853-1939) zurückgeht, indem sich der Turm nach oben von sechs auf neun Meter Durchmesser weitet und dabei immer transparenter wird. Auf der Erdgeschossebene bilden je 120 Kanthölzer, die gegenläufig auf einem inneren und äußeren Ring angeordnet sind, ein dichtes Gitternetz. Jedes sechste Holz endet auf der ersten Plattform, jedes fünfte auf der zweiten usw. Die oberste fünfte Aussichtsebene wird noch von je vierzig gegenläufigen Hölzern getragen. Was in der sprachlichen Darstellung vielleicht kompliziert wirkt, ist in der Anschauung ein wunderbar einfaches und überzeugendes Prinzip. Je höher man steigt, desto offener der Rundblick. Von außen wirkt die Konstruktion wie eine gewachsene Form und erinnert entfernt an die berühmten Pflanzenstudien Karl Blossfelds. Planungs- und Bauzeit der weitgehend vorgefertigten Konstruktion betrugen nur neun Monate – der Zeitdruck war entstanden, nachdem sich der im Wettbewerb siegreiche Entwurf als nicht realisierbar herausgestellt hatte. Das Gartenschaugelände wird in einen öffentlichen Park umgewandelt, bleibt nach Ende der Ausstellung aber zunächst für mehrere Monate geschlossen.
Standort: Gartenschaugelände, Ostenschlahstraße, 58675 Hemer Architekten: Birk und Heilmeyer Architekten, Stuttgart, mit Knippers Helbig Advanced Engineering, Stuttgart (Tragwerk) Fertigstellung: April 2010 (Bauzeit Turm: 6 Wochen)
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