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Erweiterung Jüdisches Museum von Staab Architekten

Frankfurt a. M.
Erweiterung Jüdisches Museum

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~Roland Pawlitschko

Es erscheint paradox: Der freistehende Erweiterungsbau verfügt über den Haupteingang; er bietet Raum für Publikumsmagnete wie Café, Shop, Wechselausstellungen, Vortragssaal und Bibliothek; und er ist weit größer als die beiden klassizistischen Villen, in denen sich das Jüdische Museum Frankfurt seit 1988 befindet. Dennoch ziehen von außen v. a. die historischen Gebäude die Blicke auf sich.

Ursache hierfür ist die gestalterische Zurückhaltung des Neubaus, dessen überdimensionale Fensteröffnungen und unregelmäßig geschuppte Fassade maßgeblich dafür verantwortlich sind, dass das Haus bescheidener wirkt, als es tatsächlich ist. Hinzu kommt die einheitlich weißgraue Fassadenfarbe, die die nicht unerheblichen Kontraste zwischen Alt und Neu in den Hintergrund spielt. Angesichts dieser Umstände sind die schiere Größe und die räumliche Komplexität im Innern umso überraschender.

So gelangen die Besucher nach Passieren der Sicherheitsschleuse in ein eindrucksvolles Foyer, das so wirkt, als sei es als begehbare Skulptur aus einem monolithischen Betonblock herausgeschnitten. Neben seiner Rolle als Eingangshalle übernimmt das Foyer die Funktion des Verteilers. Die intarsienartig in Eschenholz in die Wandflächen eingearbeiteten Trennwand- und Fensterelemente dienen dabei als Hinweise auf die neuen Raumangebote. Dass sich diese ebenfalls ganz in Eschenholz präsentieren, erleichtert die Orientierung und schafft eine elegante Raumkomposition, die trotz allem völlig unprätentiös wirkt.

Die Verbindung zu den alten Gebäudeteilen am Mainufer übernimmt ein niedriger Zwischenbau, der zusammen mit einer leicht abgesenkten Ausstellungsfreifläche das Gelenk zwischen Alt und Neu ausbildet. In den Altbauten, die heute die Dauerausstellung aufnehmen, haben die Architekten störende Einbauten aus den 80er Jahren rückgebaut und die historische Struktur wiederhergestellt. Weitere Eingriffe sorgen für Barrierefreiheit und einen verbesserten Brandschutz. Am wichtigsten jedoch war die optimierte Benutzbarkeit der Räume im Sinne eines zeitgemäßen multimedialen Ausstellungskonzepts, sodass sich die Besucher heute auf einen Museumsrundgang der vielfältigen Eindrücke und Zeitreisen freuen dürfen.

Standort: Bertha-Pappenheim-Platz 1, 60311 Frankfurt a. M.
Architekten:
Staab Architekten, Berlin
Bauzeit:
November 2015 bis September 2020

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