Textile Neuschöpfung

Rolf Mauer

Eine kleine Eidechse, die seit etwa 50 Millionen Jahren die Erde bevölkert, ist Namensgeber für eine Schweizer Produktinnovation, die ganz neue Anwendungsbereiche für Textilien erschließt. »Gecko« heißt das Hafttextil, dass wie das lebende Vorbild, an allen glatten und porenfreien Flächen, wie zum Beispiel an Glas, haftet und sich jederzeit rückstandsfrei wieder entfernen lässt. Besonders geeignet und erprobt ist die Anwendung auf unstrukturiertem Floatglas.
Entwicklung
Die Entwicklung von »Gecko« basiert auf einer Idee aus der Basler Hochschule für Gestaltung und Kunst. Eine Absolventin hatte sich in ihrer Diplomarbeit mit dem Thema mobiler Vorhänge auseinandergesetzt. Auf Einladung von Création Baumann konnte sich die junge Designerin im Entwicklungslabor des Unternehmens im italienischen Cenate Versuchen mit elastischen Textilien auf Glas widmen. Über die ursprüngliche Idee eines »mobilen Fensterkleides« gelangte sie zu Experimenten mit beschichteten Textilien. 2002 konnten bereits erste Ergebnisse auf dem Designers’ Saturday in schweizerischen Langenthal vorgestellt werden. Ziel des Entwicklungsteams war es nun, eine geeignete Beschichtung zu entwickeln, die auch industriell auf die Textilien aufgebracht werden konnte. Auf dem Designers’ Saturday 2006 wurde erstmals der Prototyp des selbsthaftenden Textils der Öffentlichkeit präsentiert.
Aufgrund der silikonbasierten Beschichtung kommt das Material ganz ohne Klebstoffe aus. Im Gegensatz zu üblichen Folien kann es rückstandsfrei mehrfach abgelöst und wieder angebracht werden. So lässt sich das UV-beständige Textil überall dort anwenden, wo Sicht- und Blendschutz gefragt, Vorhänge, Rollos oder Paneele jedoch aus gestalterischen Gründen nicht erwünscht sind. Das Hafttextil lässt sich direkt am Glas manuell oder maschinell reinigen. Einige Qualitäten lassen sich bei 40 °C waschen und aufgrund der adhäsiven Rückenbeschichtung ohne Verlust der Haftkraft wieder befestigen.
Eigenschaften, Dessins und Farben
Als spröder Werkstoff ist Glas gegen Zugspannungen empfindlich. Diese entstehen, wenn Glasscheiben unterschiedlichen Temperaturen ausgesetzt werden. »Gecko« kann in hellen Farben sowohl in vollflächigen als auch in teilflächigen Anwendungen auf Einscheibensicherheitsglas, Zweischeiben-isolierglas, Sonnenschutzglas sowie Wärmeschutzglas appliziert werden. Die Produktlinie beinhaltet bislang fünf Qualitäten: Die dichte Uniqualität »Gecko Crena UN« umfasst ebenso wie die halbtransparente Qualität »Crena Vario« zwölf Farben. Für Struktureffekte kann die grausilberne Qualität »Briba« oder das in Silber oder Weiß erhältliche, schwer entflammbare Vliesmaterial »Crypta« eingesetzt werden. Die weißgrundige Qualität »Crypta Letter« weist ein leichtes Dessin aus weißen oder schwarzen Buchstaben auf. Die bereits bestehende Produktlinie wird weiter mit zusätzlichen Farben und weiteren Dessins ausgebaut: So wurde beispielsweise »Crypta« um zehn neue Farbstellungen und ein Dessin erweitert. Alle Neuheiten sind ab Herbst im Fachhandel erhältlich. »Gecko« wurde unter anderem mit dem Swiss Textile Design Award und dem interior innovation award cologne ausgezeichnet.
Da die Liste der möglichen Anwendungen für diese Produktinnovation noch nicht zu Ende gedacht ist, hat Création Baumann den Wettbewerb »GECKO: Think Forward« ausgeschrieben.
Gesucht werden innovative Ideen für »Gecko« im Bereich von Sicht-, Blendschutz und Raumgestaltung die das Potenzial dieser Produktneuheit aufzeigen und neue Anwendungsbereiche erschließen.
Teilnahmebedingungen
Für die Teilnahme am Wettbewerb »GECKO: Think Forward« ist ein abgeschlossenes Studium in den Fachrichtungen Architektur, Innenarchitektur, Bauingenieurwesen oder Stadtplanung Voraussetzung. Pro Büro oder Urheber werden maximal zwei Projekte zugelassen. Bei den eingereichten Arbeiten muss es sich um realisierte Projekte aus dem Objekt- oder Heimbereich handeln, bei denen vorrangig unter funktionalen, innovativen oder ästhetischen Gesichtspunkten mit »Gecko« gearbeitet wurde. Die Projekte können zum Zeitpunkt der Auslobung bereits fertiggestellt sein oder während der Laufzeit des Wettbewerbes entstehen. Der Wettbewerb ist anonym. Mit der Teilnahme werden die Bedingungen der Auslobung anerkannt.
Preise
Die Preissumme beträgt insgesamt 22 500 Euro. Die jeweils beste Arbeit pro Kategorie enthält ein Preisgeld von 7500 Euro.
Jury
Philippe Baumann, Inhaber und CEO Création Baumann, Langenthal (CH);
Aurel Aebi, La Neuveville, (CH), www.atelier-oi.ch;
Daniel Zehntner, Erlenbach (CH), www.eclat.ch;
Andreas Bründler, Basel (CH), www.bbarch.ch;
Rolf Mauer, Leinfelden-Echterdingen (D), www.db.bauzeitung.de
Bewertungskriterien
Die Jury bewertet die eingereichten Projekte nach ihrer Konzeptidee und deren Umsetzung sowie nach ihrem beispielhaften, kreativen oder funktionalen Materialeinsatz. Ausgewählt und prämiert wird jeweils das beste Projekt in den Kategorien:
  • Funktionalität
  • Innovation
  • Ästhetik
Anmeldung
Die Anmeldeunterlagen und die Wettbewerbsbedingungen stehen als Download unter www.creationbaumann.com/gecko zur Verfügung. Nach der Anmeldung wird die Teilnahme mit einer persönlichen Registriernummer bestätigt. Die Registriernummer ist auf allen eingesandten Unterlagen zu vermerken. Einreichungen ohne vorhergegangene Registrierung und Angabe der Registriernummer können nicht berücksichtigt werden. •
Création Baumann, Weberei und Färberei AG, Langenthal/CH Création Baumann GmbH, Dietzenbach/D www.creationbaumann.com