Stadt-Räume (Frankfurt a. M.)

~Franziska Puhan-Schulz

Seit den 80er Jahren wurde in vielen Städten Europas von Planern und Politikern die Verbesserung der Erlebnisqualitäten städtischer Räume im Sinne einer »urbanen Revitalisierung« entdeckt. Barcelona hat sich diesbezüglich besonders engagiert, insofern ist es nur konsequent, dass das Centre de Cultura Contemporània de Barcelona (CCCB) im Jahr 2000 den Europäischen Preis für öffentlichen Raum ins Leben gerufen hat. Dieser alle zwei Jahre vergebene Preis ist der einzige, der sich im europäischen Rahmen der Anerkennung und Förderung des urbanen Raums widmet. Seit vergangenem Jahr sitzt nun auch der Direktor des Frankfurter DAM, Peter Cachola Schmal, – zusammen mit Repräsentanten bekannter Architekturinstitutionen aus London, Wien, Paris, Rotterdam und Helsinki – in der Jury. Aus diesem Anlass zeigt das DAM in der Ausstellung STADT-RÄUME die Gewinner und Auszeichnungen der vergangenen zehn Jahre sowie die 303 Projekte, die für den 6. Europäischen Preis für öffentlichen Raum 2010 eingereicht wurden. Die ausgestellten Projekte reichen von kilometerlanger Strandgestaltung über einen Ghettoplatz als Gedenkstätte bis zum städtischen Park.
Wie hat sich die Kuratorin des DAM, Frau
Becker, entschieden die Projekte zu präsentieren? Relativ unspektakulär läuft entlang der Raumwände zwischen büchertiefen, anthrazitfarbenen MDF-Platten ein Band aus Fotos und Texten zum jeweiligen Projekt im Zickzack: Schwarze Schrift auf gelbem Grund mit jeweils der Projektbeschreibung und historischen Fotos, die sich kontrastreich von den aktuellen Farbfotos absetzen. Die zahlreichen eingereichten Projekte sind wie auf einem Plattenständer zum Durchblättern und Herausziehen in Tischhöhe arrangiert. An der Querwand finden sich folgende umstrit- tene Frankfurter Platzgestaltungen: Rathenauplatz, Goetheplatz, Rossmarkt, Konstabler Wache, Hauptwache, Schweizer Platz, Großer Friedberger Platz, Bahnhofsvorplatz. Im Zentrum des Ausstellungsraums sind auf großen Tafeln die beiden ersten Preise sowie die Auszeichnungen des Jahres 2010 mit deren Modellbauten präsentiert und Frankfurter Holzparkbänke sollen zum Verweilen einladen.
Im vergangenen Jahr konnte sich die Jury zwischen der kostengünstigen Open-Air-Bibliothek Magdeburg von KARO* mit Architektur+Netzwerk in einem strukturschwachen Bezirk und dem kostenintensiven Opernhaus (s. Abb.) in Oslo von Snøhetta Architekten nicht entscheiden, daher gab es zwei erste Preise. Das begehbare Dach des Opernhauses bietet eine barrierefreie Fläche aus weißem Carraramarmor von der aus man einen herrlichen Ausblick auf Stadt und Fjord hat.
Eine große Europakarte veranschaulicht wie der Preis in den vergangenen zehn Jahren gewachsen ist. Die Menge der eingereichten Projekte hat sich von 79 auf 303 fast vervierfacht, auch kommen die Einreichungen aus immer mehr Städten. Die Aufmerksamkeit auf die Anerkennung, Verteidigung und Förderung des öffentlichen, urbanen Raums zwischen Nutzungstraditionen und aktuellen Funktionsbedürfnissen vor Ort zu lenken, ist gelungen. Werkberichte der Preisträger und eine Podiumsdiskussion über Frankfurter Platzgestaltung könnten die öffentliche Diskussion über qualitative und nachhaltige Gestaltung von öffentlichem urbanem Raum neu anfachen.
Bis 3. Juli. Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 43, Di, Do-Sa 11-18, Mi 11-20, So 11-19 Uhr, engl. Katalog 19,90 Euro (i. d. Ausstellung), www.dam-online.de