spacelab hart gelandet

~Klaus F. Linscheid

Nach 20 Jahren Planungszeit ist der Zentrale Omnibusbahnhof in München endlich eröffnet worden: Von Weitem ähnelt der Bau von Auer+Weber+Assoziierte einem gewaltigen Ufo. Man denkt an Schnellzüge, Geschwindigkeit und Dynamik. Eine zeichenhafte Körperhülle aus 30 km funktionsloser Aluminiumrohre gibt Hightech vor, ohne es zu sein. Unter der Haut verbirgt sich ein biederes dreigeschossiges Bürogebäude, das kammartig um vier Innenhöfe angeordnet ist. Eine Ebene tiefer liegt das Reisezentrum, auf dem »Promenadendeck«, ebenengleich mit der Hackerbrücke, eine Einkaufsmall. Darunter, im Stützenwald verborgen, die eigentliche Funktion: der Busbahnhof.
Inspiriert durch die profitträchtigen Non-Aviation-Bereiche moderner Flughäfen, versucht auch der Münchner ZOB, an dieser Entwicklung teilzuhaben. Ob dies gelingt, bleibt abzuwarten. Im Gegensatz zum Luftverkehr, wo meist hochpreisige Luxusgüter auf eine zahlungskräftige Klientel warten, bietet der Einzelhandel im Busbahnhof vorwiegend typischen Reisebedarf, gastronomische Angebote und Artikel des täglichen Bedarfs. Das Ambiente der 29 Bus-Terminals unter Deck versprüht den zweifelhaften Charme einer Tiefgarage. Warum die eigentliche Funktion des Gebäudes derart in den Hinter-, respektive »Untergrund« gezwängt wird, bleibt rätselhaft. Die jährlich 30 000 erwarteten Fahrgäste der Fernreisebusse werden den ungastlichen Ort vermutlich schleunigst wieder verlassen wollen. Über Rolltreppen und Aufzüge erreichen sie die zentrale Ebene mit der Einkaufspassage. Der Standort ist sicher gut gewählt, S-Bahn-Anschluss an der Hackerbrücke, Straßenbahn-Haltestellen an der Arnulfstraße und der Hauptbahnhof nur wenige Gehminuten entfernt. Allerdings ohne direkte fußläufige Anbindung. Für 50 Mio. Euro hätte man sich als Fernreisender Ansprechenderes gewünscht. Damit liefert der ZOB nur ein weiteres Beispiel der so oft gescholtenen mediokren Münchner Investorenlandschaft.