mehr glanz!

~Christian Brensing

Ingenieure haben’s schwer. Nicht nur in Bezug auf die Lasten, die sie bemessen, sondern auch im übergeordneten Sinn, als gleichwertige Partner der Architekten zum Beispiel. Irgendetwas ist schief gelaufen in den vergangenen hundert Jahren, als das ehemals Genialische des Ingenieurs zu einer »berechnenden Größe« degradiert wurde. Dazu kommen dann noch hausgemachte Probleme der eher kommunikationsscheuen Spezies Ingenieur. Die gute Nachricht ist, dass verschiedene Individuen und Stellen sich dieser Problematik sehr wohl bewusst sind.
Auch der in Berlin vor einem Jahr neu gegründete Ingenieur Baukunst e.V. schreibt sich auf die Fahnen, »der Bewusstseinsbildung für die Leistungen der Bauingenieure« in der Öffentlichkeit ein Forum zu sein. Nun stellte sich der Verein in der Akademie der Künste in Berlin der Fachwelt vor – eloquent und kompetent moderiert von der Bauingenieurin Annette Bögle. Ein Publikum aus Ingenieuren und einer beachtlichen Zahl Architekten folgte der Einladung. Um der Veranstaltung den nötigen Pep zu geben, hatte man die Ingenieure Neil Thomas und Juan Sobrino gebeten, ihre Interpretation der Ingenieurzunft abzugeben. Insbesondere Neil Thomas vom Londoner Atelier One gelang dies in einer unnachahmlichen Melange aus waghalsigen Projekten und skurrilem britischen Humor. Dabei blitzte immer wieder ein Berufsethos auf, das zwischen Magier, Mathematiker, Gärtner, Hebamme und Chamäleon changiert. Hier sprach ein Ingenieur, der wusste, wie man der trockenen Materie den nötigen Esprit einhaucht. In ebenso lockerem Ton sprach Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architekturmuseums über das Ziel des Vereins, ein eigenes Ingenieur-Baukunstmuseum zu gründen. Seine Ratschläge, gewonnen aus den Erkenntnissen bisher gescheiterter Unternehmungen dieser Art, reichten von der dringenden Empfehlung kräftiger Öffentlichkeitsarbeit über die Notwendigkeit einer physischen Adresse bis zu den richtigen Strategien für Fördergelder.
Wie es um das Ingenieurwesen in Deutschland aktuell bestellt ist, versuchte der Architekturjournalist Reinhard Hübsch im abschließenden PodiumsgesprächJörg Schlaich zu entlocken. Aber der gut aufgelegte Plauderer traf auf einen sehr genau differenzierenden Doyen des deutschen Ingenieurwesens. Das Berufsbild, das offenbarte immerhin die folgende sehr lebhafte Diskussion mit dem Publikum, hat sich seit der Wende fundamental gewandelt: Ökologie, Kostenbewusstsein und Öffentlichkeitsarbeit stehen jetzt im Vordergrund. Aus dem gezeigten Engagement erwächst die Hoffnung, dass es dem Verein mit Eloquenz und Geschick gelingen möge, sein Ziel zu erreichen – wenn auch nicht gleich morgen.